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Die Familienchronik der Krechtings aus dem 15. Jahrhundert Die nachfolgende Familienchronik wurde von Hermann Krechting (Sohn des Wiedertäuferkanzlers Heinrich Krechting, und Vater des Bremer Bürgermeisters Heinrich Krefting) niedergeschrieben, und von dessen Enkel erneut zu Papier gebracht.
Nharichtung von der Krefftinge Afkunst, welche min grotevader Herman Kreffting under siner egenhandt also beschrefen, darvan diese Copia. Herman Kreffting senior, Burger in Bremen. Darmede dat mine Kinder undt Nakömelinge de Afkunst ihres geschlechtes undt nahmens mögen weten, so will ich deß bericht dohn, so vele ich deß van minen leuten Oldern undt andern erfahren hebbe. Nicht wytt van Wesel, ungefehr by Bliggenbeke [B1], licht ein Edelmans sitz, daß Huß tho Krechting genant, welches etlicher malen verfallen, jedoch so weren nah Kumpst undt nahme her entskraten : wente idt hadde sich thogedragen, dat tew Bröder [B2] Hertoge van Gelderlandt of Gulich, umme de possession gekriget, undt de eine den andern uth dem lande mit sinen anhangenden Adell gejaget, ok aller güder berövet, dar were min Avergrotevader mede vordreven. Idt hadde averst de verdreven Here samt sinen Adel ihre thoflucht genommen tho Hertoch Carl von Burgundien, dat ein mechtiger Here waß, de tho der tidt einen krich mit den Schwitzeren forde, der waren se semtlich mede vort getagen, in welcherem Krich Hertoch Carl drey schlachting verloren, vornemlich in der lesten war der Hertoch mit allen Heren undt Adel gebleven Deweile aldo de sake so elende undt bedrövet mit unsem geschlechte tho gestanden undt min Grotevader ein Klein junge waß, ok nergen genen thoholdt wuste, overst gehoret hadde, dat in dem Closter tho Metelen he eine frundinne entweder Vader ofte Modersuster hadde, so wuß he darna tho gewandert, alwor he woll entfangen undt geholden werden, wento dat Closter woll begrüdert niemans, dan vom Adel angenahmen wordt undt also min Grotevader van siner frundinnen tho der Latinischen Schole geholden, viellichte deß vorhebbens einen geistlich man daruth tho maken. Alß averst de frundinne verstarft undt dat geldt wider tho studierende nich folgen wolle, aldo gaff he sick tho deensten in dat Stedeken Schoppinge, so nicht widt von Metelen ligt unde leth sich vor örer Secretarium bestellen. Dar he sick entliken mit enes mans dochter inleth, undt Huß undt Hof befryede, aldo vorgath he sin leth und vaderlandt. Undt waß mit sinem geringen stande thofreden, wowol na gelegenheit deß stedekens de regerung öhme vertruwet undt befohlen worth. He tugede mit siner Hußfrowen, deren name Grete gewesen ist, 4 dochtere undt 6 Sohns, welche he alle tho der Latinischen Schole in der Jöget geholden, so lange, dat se sulven afkoren. De Oldeste hetede Hermann, de wort erstlich ein Schriver by dem Graven von Steinfort. Darnach wort he Rentemeister und ist tho Steinforth wohl bedaget gestorven. Twe van den Brödern sindt in Lifflandt gekomen, de anderen im stifte Munster. Undt min Vader in Oßfrieslandt tho Goedens gestorven und aldar begraven. Wat nu min Vader vor wunderliche eventhur uthgestanden will ich korte anmeldung der vornembsten Dinge dohn. Dewile he temelick gestudieret, dabtho wolberedet undt woll in de tidt tho schicken wuste, dardorch he ok min Sälig Moder tho der Ehe bequam, de na gelegenheitt eine rike Brudt waß undt sick mit wandtschneden, darby se waß ertagen, wohl wußte tho behelpen. Undt min Vader sick gaff up sin ambt, so ehm vam Bischup van Munster Hertoch Erich von Grubenhagen [B3] befohlen, nemlik de Gogreveschop van Sandtwolden, dar he ferner vom Bischup Frederik von Saßen und Bishup Christoffer van Woldeck mede belent wordt, worby he in groten Ehren undt werden wordt geholden, ok mit einer ehrliken besoldinge, undt 2 Reisige perdt tho holden wordt versorget, dar he also grodt guth thosamen brachte. Also averst Doctor Luther jegen den aflath undt dat Pawestdohm begunde tho schriven undt he den gruwel deß Pawestdomeß merkede, dadorch he den papen undt monneken begunde tho wedderspreken, undt dat tho Hawe gebracht wordt, do gegunde de gnade tho mindern. Underdeß drog sick de fall tho, dat der Bremer Syndicus, Doctor Wick genandt, dorch dat Stift Munster reisede, de quam in einer Herberge mit dem Munsterschen Wigelbischup tho disputieren, undt quemen also hart aneinander, dat Doctor Wick gefangen undt up dat Huß tho Horstmar gebrocht wordt. Aldo brachte de Wigelbischup so hoch sine Klage by den Bischup undt Domkapittel ahn, dat se an minen Vader ein mandat schickeden, dat he den Doctor alß einen Ketter solde lathen verbrennen : vorjegen he an den Bischup waß gereden undt darjegen geprotesteret, ok sinen Deenst upgesaht, wortho he den orsake hadde, dat ein general mandst ahn alle Ambtlude waß gesendt, dat se alle, so Lutherscher Lehre anhengigh, solden gefenglich intheen undt na dem Huße Bevergerden senden. Middelerwile lethen de Dompapen dem Doctor Wick den Kop by nachte afschlaen, und wordt in dem Walle up dem Huse Horstmar begraven. [B4] Also nu min Vader in ungenade waß undt ferner quam, aldo wordt he tho Have vorschreven, als he averst nicht rathsahm erachtede tho erschiehnen, also worden 100 Perde undt 2 hundert Schutten uthgesendt, minen Vader tho halende, averst mine Vader gewarnet reth darvan, averst mine Sälige Moder undt Grotemoder worden gefenglich mede genommen. De worden averst mit gewerender Handt erlediget undt in de Statt munster gebracht. Also quam min Vader in Munster, dar he vorhen eine statliche barschup in geflocht hedde, dewile de statt sich gegen dem Bischup upgelenet hedde. Mitteler tidt begunde sick de schedliche böse Secte der wedderdöper
tho vermehren, undt mine oldern, de thovorne den rechten verstandt unser
waren undt Christlicher Religion nicht genoch gefatet den allene verstunden,
dat idt Pawestdohm nicht dochte, worden se mede verföhrt undt bleven
also de gantze belägerung over in der Statt. Na eröferung der
statt undt upgevendt der wagenborch, de up dem Domshave stundt, daruth
ridderlich gefochten, word min vader sulf 24 mit ein fenlin Knechte uth
der Statt gebracht uth befehl deß Översten Johan van Raßfeldt,
de minen vader umme older Kundtschup 10 goldtgulden tho thergelde geschenkt.
[B5] Also wanderde min vader nah Oldenborch tho, und leth min S. Moder
darnah tho sich fordern. He krech underholdt by Grave Christoffer van Oldenborch,
undt endtlich gaff he sick in Ostfriesland, tho Goedens tho wahnen. Undt
dewile he iferde in den rechten verstandt der Religion tho wesen undt derweg
mit gelerden Luden converserde. So wordt he mit der tidt uth der bösen
Secte der wedderdöper erreddet undt bekeret, erstlich van den Herrn
A Lasko, Superintendenten der Graveschup Ostfriesland und nahmals van Doctor
Albert Hardenberg vollenkamen tho warer erkentniß. Darin he bestendig
gebleven, undt up gestorven, ok tho Goedens up dem Kerkhaue begraven ist.
He waß aldar 24 Jahr der Karkenbuermeister und vorstender der armen.
Sin Vader hett geheten Engelbert, miner S. Moder Vader hett geheten Herman
Oedefelt, und na sinen Handel Herman Wandtschnider, und didt sin wapen
gewesen.
Quellenangabe:
Anmerkungen B1 bis B5 des Staatsarchivars von Bippen aus den Jahren ca.1890 bis 1900, wo er einen regen Schriftverkehr wegen der Krechting-Genealogie mit dem Chemiker Axel Krefting aus Norwegen hatte. B1 Einen Ort Bliggenbeke oder ähnlich finde ich weder auf der Karte noch bei Ritter. [W1] B2 Nicht 2 Brüder, sondern Vater und Sohn. Herzog Arnold 1465-71 in Gefangenschaft seines Sohnes Adolf v. Geldern; dann dieser selbst in burgund. Gefangenschaft, fällt 22.6.1477 vor Tournay. B3 Hier sind Irrtümer unterlaufen: Nach Mooger, Verz.d.deutschen Bischöfe war Erich I von Sachsen-Lauenburg (nicht von Grubenhagen) Bischof von 1508-22; ihm folgte Friedrich, Graf von Wied (nicht von Sachsen) 1522-24.3.1532; dann Erich II von Brauschw.-Lüneburg 1532 März 27 bis Mai 14; endlich Franz, Graf von Waldeck 1532 Juni bis 1553. B4 Laut Schreiben v.11.Mai 1534 des Herzogs Ernst v.Lüneburg an Kurfürst Joh.Friedrich Ist Wyck zu der Fastenaw (was nur Fürstenau sein kann) ermordet. Fürstenau aber liegt 7 Meilen n.o. von Horstmar und im Bistum Osnabrück. Horstmar ist viel glaublicher (auf ganz anderer Straße von Münster her), aber auch Osnabrück ist damals in Händen des Bischofs Franz von Münster. Keller, Geschichte der Wiedertäufer, S.143 sagt von Wick: er wurde in Vechta verhaftet, Nach Fürstenau gebracht u.s.w. B5 Keller a.aO.S. 225: Erwähnt unter den Beamten des "Königs" Johann v. Leiden den "Kanzler Heinrich Krechting". S. 143. "Aus Coesfeld und Schoppingen, wo Johann v. Leiden schon 1533 gewirkt hatte, eilten sie (die Gläubigen) herbei; die letzten führte Heinrich Krechting, bisher Gograf zu Schoppingen." Anmerkung W1 von Hans Jürgen Warnecke aus dem Jahr
1988 über die Geschichte der Familie Krechting in dem Schöppinger
Heimatbuch 838-1988.
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