Die Genealogie der Familie Krechting aus Schöppingen und Bremen

Nach einem Bericht von Hans Jürgen Warnecke aus dem Jahr 1988

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts, in der Zeit der Münsterischen Stiftsfehde (1450-1457), als Schöppingen vom münsterischen Bischof Walram von Moers an den Bischof von Utrecht verpfändet, die Brictius-Kirche am 30.April 1453 infolge der Kampfhandlungen ein Raub der Flammen geworden war und die Stadt im Jahre 1455 vergeblich von Johann von Hoya belagert wurde, setzt die schriftliche Überlieferung der Familie Krechting ein.

In der Nharichtung von der Krefftinge Afkunst, fern der Stammheimat des Geschlechts under siner egen handt also beschrefen, berichtet der Enkel des Kanzlers der Wiedertäufer Heinrich Krechting in vielen, nachweisbar zutreffenden Einzelheiten von dem abenteuerlichen Leben seines Großvaters. Die Angaben über die Herkunft seiner Familie und deren Verstrickung in die Kriege Herzog Karls des Kühnen von Burgund am Niederrhein und in der Schweiz muten verworren und zunächst wenig glaubhaft an:

Hermann Kreffting senior, Burger in Bremen, Darmede dat mine Kinder undt Nakomelinge de Afkunst ihres geschlechtes undt nahmens mögen weten, so will ich deß bericht dohn, so vele ich deß van minen leven Olderen undt anderen erfahren hebbe.
Nicht wytt von Wesen, ungefehr by Bliggenbeke, licht ein Edelmans sitz, daß Huß to Krechting genant, welches etlicher malen verfallen, jedoch so weren nah Kumpst undt Nahme her entskraten, wente idt hadde sich thogedragen, dat tew Bröder, Hertoge van Gelderlandt of Gulich, umme de possession gekriget, undt de eine den andern uth dem lande mit sinen anhangenden Adell gejaget, ok aller guder berovet, dar were min Avergrotevader mede vordreven. Idt hadde averst de verdreven Here samt sinen Adel ihre thoflucht genommen tho Hertoch Carl von Burgundien, dat ein mechtiger Here waß, de tho der tidt einen krich mit den Schwitzeren forde, der waren se semtlich  mede vort getogen, in welcheren Krich Hertoch Carl drei schlchting verloren, vornemlich in der lesten war der Hertoch mit allen Heren undt Adel gebleven...

Hierzu ist zunächst zu sagen, daß in dieser Zeit nicht zwei Brüder um den Besitz des Herzogtums Geldern kämpften, sondern Vater und Sohn. Nach der Niederlage und Gefangennahme Herzog Arnolds von Geldern im Jahre 1465 dürfte Graf Bernhard von Bentheim mit seinen Burgmännern und Soldaten in die Heimat zurückgekehrt sein, unter ihnen zweifelsohne sein Burggraf Gerlach von Bevern und dessen Reisiger, der mede vordrevene Avergrotevader in der Nharichtung Hermann Krechtings.

Wie hieß aber dieser Avergrotevader und woher stammte er? Spricht die Nharichtung die Wahrheit, wenn sie den Edelmans sitz, daß Huß tho Krechting genant, nicht wyt van Wesel ungefehr by Bliggenbeke als seine Heimat ansieht? Darf man überhaupt den Versuch wagen, nach dem Namen und der Herkunft eines einfachen Soldaten zu forschen, der vor 500 Jahren lebte? Ein Haus Krechting, auf dem seit Mitte des 13. Jahrhunderts ein Adelsgeschlecht dieses Namens saß, hat es tatsächlich gegeben. Doch liegt es nicht bei Wesel, sondern ungefähr 30 km landeinwärts zwischen Bocholt und Rhede. Die adligen, im 15. Jahrhundert ausgestorbenen Krechtings führten in ihrem Wappen 10 silberne Ringe im schwarzen Schild. Einige Zweige der bürgerlichen Krechtings in Schöppingen, von denen hier die Rede ist, hatten aber ein völlig anderes Wappen. In Gold drei grüne Blätter und als Helmzier ein grünes Blatt zwischen zwei Büffelhörnern, von denen das rechte von gold und grün, das linke von grün und gold geteilt ist.

Die völlig verschiedenen Wappen der adligen und der bürgerlichen Krechtings führen zu dem Schluß, daß beide Geschlechter blutsmäßig nichts miteinander zu tun hatten!
Auch gibt und gab auch keinen Ort mit Namen Bliggenbeke. Man muß sich daher fragen, ob der Verfasser der Nharichtung in genauer Kenntnis der wahren Herkunft seines Geschlechts diese bewußt etwas verschleierte und sich und seine Familie in die Nähe des gewiß viel angeseheneren Hußes tho Krechting brachte. Bliggenbeke ist nämlich nichts anderes als das Städtchen Billerbeck und Haupthof in seiner Bauerschaft Gantweg heißt Krechting. Sein jeweiliger Besitzer war der Burrichter der Bauerschaft und als Dingpflichtiger ständiger Urteilsweiser am rund 6 km entfernten Gogericht Hastehausen. Von allen Erbkotten der Bauerschaft erhielt er ein Huhn. Im Falle eines kriegerischen Auszugs mußte der Hof Krechting ein gesatteltes Pferd mit einem montierten Kerl oder Reiter stellen. Im Jahre 1370 gehörte der Hof Krechting den von Hameren auf Haus Hamern bei Billerbeck, das ungefähr in der Mitte zwischen dem Hof und dem Gerichtsplatz Hastehausen liegt.
 Im Jahre 1468 erhielt Bernt Crechtynch van Benthem das Bürgerrecht in Burgsteinfurt. In ihm darf man mit guter Wahrscheinlichkeit den aus dem geldrischen Krieg heimgekehrten Avergrotevader Hermann Krechtings sehen. Auf Grund seines später geführten Beinamens hat er damals wohl in zweiter Ehe die verwitwete Styne tor Becke aus Altenberge geheiratet, der Junker Arnold von Steinfurt im Jahre 1454 das Steinfurter Bürgerrecht als Johan Kulemans wyff geschenkt hatte. Nach einer Urkunde vom 5.Februar 1478 besaß Bernd Krechting genannt Kulemann ein Haus auf der dortigen Rottstraße. Nach 1523 berichten die Burgsteinfurter Quellen nichts mehr über ihn und seine Familie. Wir befragen nun wieder die Nharichtung und wollen hören, was sie weiter zu sagen hat:

Deweile aldo de sake so elende undt bedrövet mit unsem geschlechte gestanden undt min Grotevader ein klein junge waß, ok nergen genen thoholdt wuste, overst gehoret hadde, dat in dem Closter tho Metelen he eine frundinne, entweder Vaders ofte Modersuster, hadde, so waß he darna tho gewandert, alwor he woll entfangen undt geholden worden, wento dat Closter woll begüdert, niemans dan von Adel angenohmen wordt undt also min Grotevader van siner frundinnen tho der Latinischen Schole geholden, viellicht deß vorhebbens, einen geistlich man daruth tho maken. Alß averst de frundinne verstarff undt dat geldt, wider tho studierende nicht folgen wolte, aldo gaff he sick tho diensten in dat Stedeken Schopinge, so nicht widt von Metelen ligt unde leth sich vor örer Secretarium bestellen. Dar he sick entliken mit enes mans dochter in leth undt huß undt hoff befryede, aldo vorgath he sin leth und vaderlandt. Undt waß mit sinem geringen stande tho freden, wowol na gelegenheit deß Stedekensde regerung öhme vertruwet undt befohlen worth. He tugede mit siner Husfrowen, deren name Grete (Raesfeld?) gewesen ist vier dochtere und sechs Sohns, welche he alle tho der Latinischen Schole (in Metelen?) in der Jöget geholden, so lange, dat se sulven afkoren. De oldeste hetede Hermann, de wort erstlich ein Schriver by dem Graven von Steinfort. Darnach wort he Rentemeister und ist tho Steinforth wohl bedaget gestorven.
Twe van den Brödern sindt in Lifflandt gekomen, de anderen im stifte Munster. Undt min Vader in Ostfriesland tho Goedens gestorven und aldar beraven.

Engelbert Krechting, der Großvater des Verfassers der Nharichtung, dürfte im Jahre 1465 ein Kind von ungefähr zehn Jahren gewesen sein, als sein mutmaßlicher Vater Bernd Krechting mit den Bentheimer Truppen dem von seinem Sohn bedrängten Herzog Arnold von Geldern zu Hilfe eilen mußte. Seine Mutter muß damals bereits tot gewesen sein, sonst wäre er nicht - er hatte ja niemand mehr, an den er sich halten konnte - in die Kaiserliche Freiheit des 20 km von Billerbeck entfernten Damenstiftes Metelen gewandert, wo eine Vaters- oder Muttersschwester leben sollte. Diese nahm sich auch wirklich des Jungen an und schickte ihn auf die dortige Lateinschule, weil sie einen Geistlichen aus ihm machen wollte.

Der frühe Tod der Tante lenkte den vorgezeichneten Weg Engelbert Krechtings aber in eine andere Bahn. Der junge Mann konnte nicht weiterstudieren, weil er kein Geld hatte. So war er gezwungen, sich nach einer Anstellung umzusehen. Er fand sie im nahen Schöppingen, wo vielleicht Verwandte oder Freunde ihn für die Stelle des Stadtschreibers vorgeschlagen hatten. An der dortigen Brictius-Kirche soll er außerdem als Organist tätig gewesen sein.

Es ist schade, daß die Nharichtung nur den Vornamen von Engelbert Krechtings Frau nennt, aber nichts über ihre Herkunft aussagt. Da er mit seiner Frau Grete Huß undt Hoff befryede - es muß um 1475 gewesen sein - war sie wohl eine gebürtige Schöppingerin. Sie könnte eine Verwandte des Holzrichters Engelbert Raesfeld oder des Schöppinger Vogtes Heinrich gewesen sein, der im Jahre 1498 und 1499 im Haus Schöppingen Nr.1 mit seiner Frau wohnte. Der Vogt Heinrich wiederum könnte der Vater des bischöflichen Vogtes Johann von Lintel gewesen sein, der im Schatzungsregister von 1551 an 1. Stelle steht und am 12. Mai 1536 das Haus des Täufers Heinrich Krechting (zurück-?)kaufte.
Die genannten Schatzungsregister von 1498 und 1499 nennen Engelbert Krechting an 15. bzw. 18. Stelle, dagegen fehlt er im Register der Schattonge von 1533. Das entspricht der Aussage der Nharichtung, wonach die sälige Moder undt Grotemoder Hermann Krechtings gefenglich mede genommen worden ist, als der Treck der Schöppinger Wiedertäufer auf ihrem Weg nach Münster in das "Neue Jerusalem" am 14.Februar 1534 überfallen wurde.
Zu dieser Zeit muß Engelbert Krechting bereits tot gewesen sein, sonst hätten die Bremer Aufzeichnungen ohne Zweifel noch irgendetwas über ihn zu berichten gewußt. Seine Frau Grete dürfte während der Belagerung Münsters oder nach Eroberung der Stadt gestorben oder ums Leben gekommen sein. Nach 1534 hört man nicht mehr von ihr.

Vier Töchter und sechs Söhne wuchsen im Haus des Schöppingers Stadtschreibers und Organisten heran. Das sagt die Nharichtung. Aber nur Hermann, der älteste Sohn wird darin mit Namen genannt. Unbekannt sind die Vornamen der beiden Söhne, die wie viele andere ihrer münsterländischen Landsleute nach Livland gegangen sein sollen. Der in Ostfriesland verstorbene Vater des Verfassers der Nharichtung war der bekannte Kanzler Jan van Leidens, Heinrich Krechting. Seine Brüder Johann in Schöppingen und Bernhard, der Gildehauser Prediger, dürften identisch sein mit den anderen (Söhnen) im Stifte Münster. Über die vier Töchter steht in der Nharichtung überhaupt nichts. Aus westfälischen Quellen war über sie ebenfalls nichts in Erfahrung zu bringen. Glücklicherweise ist aber in Bremen eine Stammtafel Krefting - wie die Familie Krechting dort genannt wurde - erhalten geblieben, deren Angaben sich bei der Überprüfung als überraschend zuverlässig erwiesen haben.

Die Bremer Tafel nennt die Kinder Engelbert Krechtings in folgender Reihenfolge:
 1) Gebke,  in einem Kloster in Münster,
 2) Catharina,   hat Tochter Gretje, verheiratet mit Gg. Schödig,
 3) Hermann,  Gogräfe und Rentmeister in Steinfurt,
 4) Berend,  in Münster,
 5) Johann  ...,
 6) Heinrich,  zu Neustadt Goedens,
 7) Anna,   + 1574 Juny 8 zu Schöppingen,
 8) Kunna,  verehelichte Schemering.

Die nach Livland ausgewanderten beiden Söhne fehlen also auch hier. Möglicherweise ist einer von ihnen jener wiedertäuferische Gert Becker genannt Krechting, Bäcker und Koitbrauer auf der Ritterstraße Nr. 50 in Münster, dessen Haus und Gadem - Wert 200 Gulden - nach Eroberung der Stadt beschlagnahmt und 1536 für 7 Gulden an Johann Garthus verkauft wurde.
Vielleicht konnte der Bäcker Gerd Krechting dem Blutbad in der Johannisnacht des Jahres 1535 entrinnen und nach Livland flüchten. Sein Vorname kehrt wieder bei einem Sohn Johann Krechtings in Schöppingen, was für die Richtigkeit unserer Annahme sprechen könnte.
In der unrichtigen Reihenfolge der Bremer Tafel sei nun den Lebenswegen der Krechting-Geschwister nachgegangen:

Von der Tochter Gebke, die in einem Kloster in Münster gelebt haben soll, konnte bisher gar nichts festgestellt werden. Für sie besteht aber auch kein genealogisches Interesse.

Wen ihre Schwester Catharina geheiratet hat, ließ sich ebenfalls nicht ermitteln. Möglicherweise war sie die Frau des Gerd Koeninck, der im Februar 1534 mit der Großfamilie Krechting nach Münster zog. Grundlage für diese Annahme ist die Nennung eines Prozeßverfahrens Koeninck alias Krechting im Protokollbuch des münsterischen Prokurators Gerhard Lennep zum Jahr 1561.

Der Verbleib von Catharina Krechtings Tochter Gretje, die mit einem Gg. (Georg) Schödig verheiratet gewesen sein soll, konnte ermittelt werden. In Burgsteinfurt gab es von 1551 bis 1568 einen Wirt und Bürgermeister Schodirk, dessen Vater Gerd Kremer, Scho Dyrks Sohn, aus Gildehaus, im Jahr 1525 Bürger in Burgsteinfurt geworden war. Der Bürgermeister Schodirk hatte eine Grete unbekannten Familiennamens zur Frau. Obwohl der Bürgermeister Johann und nicht Georg hieß, muß seine Frau Grete die Tochter von Catharina Krechting gewesen sein. Dafür sprechen folgende Gründe:
Einer ihrer Söhne trägt den Krechtingschen Vornamen Engelbert, Johann Schodirk und Rötger Stücker, verheiratet mit Anna Krechting, waren am 12. Juli 1558 Bürgen für Engelbert Krechting, Kaufhändler in Burgsteinfurt, anläßlich eines Rentenverkaufs, und Walrad Krechting aus Rheine wurde im Jahre 1621 Vormund von Engelbert Schodirks Enkeln von Sippe wegen.
Von den Kindern Johann Schodirks geht eine unübersehbare Nachkommenschaft aus. Diejenige der Kinder Bernd und Grete Schodirk, Frau des Bürgermeisters Jörgen Lölvinck in Bugsteinfurt, ist in Umrissen veröffentlicht im Band 36/37 der Beiträge zur Westfälischen Familienforschung in dem Aufsatz über die Räte des Grafen Arnold IV. von Bentheim und ihrer Familien. Genannt sei an dieser Stelle nur die bekannte Familie Pagenstecher, deren Stammfolge in allen Einzelheiten auch im 135. Band des Deutschen Geschlechterbuches publiziert ist.

Hermann Krechting, der nächste in der Geschwisterreihe, muß der älteste Sohn des Schöppinger Stadtschreibers gewesen sein. Sein Geburtsjahr dürfte um 1480 liegen, war er doch bereits im Jahre 1504 Schreiber des minderjährigen Grafen Arnd von Steinfurt (1498-1553). Im Jahre 1514 erhielt Hermann Krechting das Bürgerrecht in Burgsteinfurt, das im Jahr zuvor bereits seine erste Frau Fenne erworben hatte. In dieser Zeit dürfte er auch vom Schreiber des Grafen zu dessen Rentmeister aufgerückt sein. Um das Jahr 1519 wurde er Gograf des Gogerichts Rüschau bei Laer, amtierte hin und wieder aber auch in Vertretung als Steinfurter Stadtrichter. Bis zu seinem Tode um das Jahr 1540 kann man ihn in fast allen Steinfurter Urkunden, Rentamtsrechnugen, Gerichtsprotokollen und anderen Aufzeichnungen als Gografen, Richter, Umstand, Bürger oder Zeugen finden. Am gräflichen Hof hatter er eine ausgesprochene Vertrauensstellung, die ihn des öfteren auch zur Übernahme diplomatischer Missionen befähigte. Auf Grund seiner familiären Beziehungen nach Münster durch seine zweite Frau Anna Hoyer konnte er nach dem Zusammenbruch des Täuferreichs dort am besten - er war ja nicht wie seine Brüder Wiedertäufer geworden - die Interessen der hinterbliebenen Kinder seiner umgekommenen Geschwister wahrnehmen. Hermann Krechtings zweite Frau, die er vor 1521 geheiratet hatte, war eine Tochter des aus Deventer stammenden münsterischen Stadtschreibers Dietrich Hoyer (1494-1529), der ihr das Haus Roggenmarkt 15 in Münster vererbte. Es war die Herberge "Zum Mohren", in der im Mai des Jahres 1542 der Batenburger Täufer Cornelius Apelmann aus Leiden mit acht Genossen zechte, als er von dem flüchtigen Albert Rybbertynch aus Emlichheim von der Hinrichtung der Brüder Morveldinck in Deventer in Kenntnis gesetzt wurde und gerade noch fliehen konnte.
Hermann Krechting hatte aus seiner zweiten Ehe mindestens vier Kinder, die Tochter Anna und die Söhne Engelbert, Bernhard und Herbord.

Anna Krechting heiratete den Burgsteinfurter Schuhmacher Rötger Stücker
(* um 1500) und hatte von ihm die Kinder Heinrich, Hermann, Johann, Kunne, Anna und Bernd. Dieser Bernd Stücker kam als Wandschneider in Münster zu großem Wohlstand. Die Nachkommen seiner Tochter Anna, Frau des münsterischen Syndikus Heinrich Wittfeld (1560-1645), alle betont katholisch, sind in den bekannten münsterischen Rats- und Beamtenfamilien Leisting, Modersohn und Stael zu finden. Über sie hat Clemens Steinbicker im Band 111 der "Westfälischen Zeitschrift" in seinem Beitrag "Vom Geschlechterkreis der münsterischen Rats- und Bürgermeisterfamilie Timmerscheidt" ausführlich berichtet.

Ihrem Sohn Bernd vermietete die Witwe Hermann Krechtings im Jahre 1540 die Herberge am Roggenmarkt in Münster. Als er bereits zwischen 1548 und 1549 starb, klagte sie Bernds Witwe Margarethe Boeckmann, die sich inzwischen mit Johann Pötken, dem Besitzer der Herberge "Im Slottel" auf dem Spiekerhof Nr. 38, wiederverheiratet hatte, aus dem Haus heraus und übergab es ihrem Sohn Herbord Krechting. Die drei Kinder Bernhard Krechtings kamen anscheinend zu Verwandten nach Rheine und begründeten dort später zwei weitere Krechting-Stämme.

Herbord Krechting war im Jahre 1565 im Besitz des Hauses am Roggenmarkt. Sein erste Frau Catharina gehörte der Kaufhändlerfamilie Verendorp an, da die Kinder Hermann, Anneke, Bernhard, Gottfried, Johannes und Cathrineken am 17. Juli 1565 nach dem Tod der Mutter den münsterischen Fernhändler Johann Verendorp aus ihrer Verwandtschaft und Engelbert Krechting in Burgsteinfurt, den Bruder des Vater, vom Rat der Stadt Münster als Vormünder verordnet bekamen. Von Herbord Krechtings Frau ist nur der Vorname Anna bekannt.
Herbord Krechtings Sohn Johannes erwarb am 24. Januar 1590 ein Haus in Hamburg auf der Reichenstraße, das er am 22. März 1613 wieder verkaufte.

 Sein Sohn Dietrich erhielt im Jahre 1600 das Bürgerrecht in Bremen und heiratete dort am 11.6.1611 Ilsabe Wachmann (1590-1662), eine Tochter von Johann Wachmann (1547-1616) und Ilse Krefting (1556-1625). Diese wiederum war die Enkelin des Wiedertäuferkanzlers Heinrich Krechting. In Bremen wie in Münster läßt sich feststellen, daß nicht wenige Nachkommen des Schöppinger Stadtschreibers Engelbert Krechting untereinander geheiratet haben. Unzählige Nachkommen Dietrich Krechtings leben heute in Nordschleswig und Dänemark. Über die anderen Kinder Herbord Krechtings konnten bisher keine weiteren Angaben gefunden werden.

Herbords Bruder Engelbert übernahm das Elternhaus am Markt Nr. 7 in Burgsteinfurt, das dann später seine Tochter Anna erbte, weil der Sohn Hermann sich in Coesfeld und der Sohn Walrad sich in Rheine niederließen und eine weitere Tochter sich an den Horstmarer Bürgermeister Gottschalk Hauskock verheiratete.

Anna Krechting und ihr Mann Johann Schlüter aus Havixbeck gaben ihr am 19. Januar 1582 erworbenes Bürgerrecht in Münster auf und übersiedelten im Jahre 1595 nach Burgsteinfurt, um den alten, inzwischen zum zweiten Mal verwitweten Vater zu versorgen und um sein Handelsgeschäft weiterzuführen. Ein Großteil der alteingesessenen Burgsteinfurter Bürger stammt von Johann Schlüter und seiner Frau Anna Krechting ab.

Der Rheiner Kaufhändler und wahrscheinlich auch Wirt Walrad Krechting mußte im Jahre 1625 die Stadt mit zahlreichen anderen wohlhabenden Familien wegen seines calvinistischen Glaubens verlassen.
Er wandte sich nach Schüttorf in der Grafschaft Bentheim, wo seine Tochter Christine im Jahre 1635 den Kramer Heinrich Niehoff heiratete, der mit seinem Vater Johann ebenfalls aus Rheine vertrieben worden war. Heinrich und Christines Sohn Walrad Niehoff (+1698), Präzeptor an der Schüttorfer Stadtschule und Ratsherr seit 1669, ist der Ahnherr des bekannten Kupferstechers und Radierers Walrad Niehoff, der am 1. April 1837 in Amsterdamm 46jährig starb.

Walrad Krechtings Bruder Hermann gewann im Jahre 1582 das Bürgerrecht in Coesfeld. Kurz zuvor dürfte er sich mit der Tochter des Ratsherrn Dietrich Hülsmann, Elisabeth, verheiratet haben, die ihm ein gutes Vermögen mit in die Ehe brachte und das Hermann Krechting als Wandschneider beträchtlich vermehren konnte.
Hermann Krechting, in den Jahren 1602-1608 auch Stadtkämmerer in Coesfeld, war sicherlich ein Anhänger Calvins. Seine sechs Kinder dürften sich auf Grund der inzwischen veränderten politischen Verhältnisse im Hochstift Münster aber wieder der katholischen Kirche zugewandt haben.
Es ist nicht möglich, die gesamte Nachkommenschaft Hermann Krechtings hier anzuführen. Genannt seien aber einige Namen von Nachkommenlinien, die im Münsterland einen guten Klang haben: Fuisting, Drachter, Boichorst, Römer, Volbier, Schräder, Wittfeld, Deitermann, Theben, Mulert und Bucholtz. Es sind die Namen bekannter Beamtenfamilien des Fürstbistums Münster.

Der Schicksalsgefährte Jan van Leidens und Bernhard Knipperkollincks war Bernhard Krechting. Vermutlich hat er wie seine Brüder die Lateinschule in Metelen besucht, bevor er vom Grafen von Bentheim als Burgkaplan nach Bentheim berufen wurde. In seinem Verhör am 25. Juli 1535 sagte er aus, er habe des Grafen Frau und Kind unterrichtet und ihnen gepredigt, darum habe er allda in der Herrlichkeit eine Kirche - das war Gildehaus - erlangt. Weil aber dem Herzog von Geldern seine - vielleicht schon wiedertäuferische - Predigt nicht gefallen und ihn deshalb bedroht habe, sei er nach Münster gezogen. Hier wurde er ab August 1532 als Anhänger des "Stutenbernds" Rothmann tätig.
Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt. Die Arbeitern Kirchhoffs über die Wiedertäufer sind so gründlich und beleuchten alle Ereignisse der Dreißigerjahre des 16. Jahrjunders so umfassend, daß sich wohl kaum noch neue Erkenntnisse über diese Zeit gewinnen lassen. Man kann sich aber kurz fassen und nur auf einen Punkt in Bernhard Krechtings Leben eingehen, der die Genealogen am meisten interessieren könnte: Seine Vielweiberei.

Bernhard Krechting bekannte am 25. Juli 1535 beim Verhör, er habe drei Weiber gehabt, von denen zwei geschwängert waren. Deshalb habe er die dritte Frau eben auch gehabt. Die Namen der drei Frauen werden nirgendwo genannt. Die Quellen sagen auch nichts darüber aus, ob die beiden von Bernhard Krechting schwangeren Frauen ihre Kinder überhaupt zu Welt gebracht haben. Nach weitgehend abgeschlossener genealogischer Einordnung aller bis jetzt bekanntegewordenen Namensträger Krechting, kann eine Frau namhaft gemacht werden, die einen Sohn von Bernhard Krechting hatte.
 Sie heißt Aleke Bodding und muß den Namen nach aus Laer oder Horstmar stammen. Am 5. April 1563 machte sie in Münster ihr Testament und ist dort wohl auch vor dem 18.1.1565 gestorben. Erben wurden ihr natürlicher Sohn Bernhard Krechting, seine Frau und seine Kinder, denen sie auch ihre Forderungen an verschiedene Leute vermachte. Zu ihren Testamentsvollstreckern hat Aleke Bodding den Notar Gerhard Lennep und den Mohrenwirt Herbord Krechting eingesetzt. Der natürliche Sohn Alekes, Bernhard Krechting ist identisch mit dem im Jahre 1558 in einer Gerichtsakte genannten Notar. Von seiner Frau Anna hatte er vier Kinder, die Söhne Arnd und Melchior sowie die Töchter Alheid und Agnes. Die Söhne wurden beide geistlich. Sie gehörten dem Kapitel des Alten Doms in Münster als Kanoniker an und setzten sich im Jahre 1595 und 1603 gegenseitig zum Testamentsvollstrecker ein. Arnold Krechting berief zusätzlich noch Bernhard Stücker, meum affinem, zum Exekutor. "Affinis" ist eigentlich der "Schwager", doch kann man diese Bezeichnung auch im weiteren Sinn als "Verwandter" versehen. Das war Bernhard Stücker in jedem Fall über seine Mutter Anna Krechting. Trotzdem könnte auch die Bezeichnung "Schwager" im engen Sinn des Wortes zutreffend sein, da Melchior in seinem Testament aus dem Jahre 1615 neben dem Vetter Hermann Krechting, dem Coesfelder Wandschneider, und Lubbert Krechting, dem Prokurator der Minoriten in Münster, auffallend die Nachkommen Bernhard Stückers, nämlich den jungen Heinrich Stücker und die Kinder des Syndikus Wittfeld, mit Legaten bedachte. Es sieht ganz danach aus, das Bernhard Stücker in erster Ehe mit einer der beiden Schwestern von Melchior und Arnold Krechting verheiratet gewesen ist. Die Kinder Bernhard Stückers stammen allerdings sämtlich aus seiner zweiten Ehe mit Gertrud Schmithues. Einzelheiten darüber können in der von Clemens Steinbicker im "Genealogischen Jahrbuch" Band 4, 1964, bearbeiteten Ahnenliste des Schriftstellers und Droste-Freundes Levin Schücking nachgelesen werden.
Haupterbin des Kanonikers Melchior Krechting war Adelheid, die Tochter einer seiner Schwestern. Sie war in Aurich aufgewachsen und heiratete am 30. November 1617 in St. Lamberti in Münster den Kannengießer Dietrich Eichrodt. In den Taufeintragungen ihrer Kinder heißt sie abwechselnd Busch oder Krechting. Vor 1637 ging Adelheid Busch eine zweite Ehe mit Heinrich Wellermann ein.

Johann Krechting steht in der Hofordnung van Leidens als Pferdearzt und Aufseher über das Öl. Auch er fand bei der Eroberung Münsters im Jahre 1535 den Tod. Leider werden im Gnadengesuch für die vier Kinder Peter Schemerings, den Sohn Lubbert Haverhoves und die vier Kinder Johann Krechtings derer Vornamen nicht genannt, doch werden sie in der Bremer Tafel mit Gerd, Johann, Arend und Elsche, verehelichte Schornewange (Schoneweg in Laer?) angegeben.
Wer von den drei Söhnen Johann Krechtings die Familie fortgesetzt hat und zum Stammvater der heute in Schöppingen lebenden Krechting-Familien geworden ist, läßt sich wegen der schlechten Archivüberlieferung nicht mit letzter Sicherheit sagen. Der Sohn Arnd soll im Jahre 1554 in Gödens ansässig geworden sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit setzte Gerhard Krechting die Familie fort, wird er doch als einziger Namensträger im Mägdeschatzungsregeister für Schöppingen aus dem Jahre 1551 genannt. Gerhards Sohn dürfte der nach dem Großvater benannte Johann Krechting sein, der zusammen mit Johann Benölken anläßlich des Erbtages auf dem Schöppinger Hof Möllemann am 3. September 1577 Ansprüche als Gläubiger anmeldete. In der Schöppinger Kirchenrechnung von 1599/1600 erscheint Johann Krechting als Pächter von Kirchenland, das zum Hof Honekinck gehörte. Johann Krechting ist einer der 43 Toten, die am 16. Juni 1626 von Soldaten der nieder-ländischen Generalstaaten erschlagen wurden. Von seinen Kindern sind bisher nur eine Tochter und ein Sohn bekannt. Ein weiterer Sohn könnte Johann Krechting geheißen haben.

Die Tochter Bertha, (+ Metelen 24.Mai 1662 im Alter von 90 Jahren) war die Frau des langjährigen Metelener Bürgermeisters Peter Köning, der im Februar 1629 starb. Die Eheleute hatten zahlreich Nachkommen in den Familien Wessendorf, Stühlen, Edelbrock, Hageböck, Brinkhaus, Wieschebrink, Hüffer u.v.a.
Berthas Bruder Engelbert Krechting kam am 12.September 1604 als Gläubiger zum Erbtag auf den Hof Bunnefeld in Schöppingen. Am 5.Februar 1617 urkundete er zusammen mit Hermann Schelver junior, der vielleicht sein Schwager war. In seinem Ringsiegel ist eine Hausmarke zu sehen, die von allen seinen namentragenden Nachkommen geführt wurde anstelle des Siegels mit den Stechpalmenblättern. Auch Margaretha Krechting, die Frau von Bernhard Boemer in Nienborg ließ diese Hausmarke noch 1693 in ihr Schützenkönigsschildchen eingravieren. Unter den Nachkommen Engelbert Krechtings befinden sich zahlreiche katholische Geistliche.

Während sich die Nachkommen von Engelbert Krechting genealogisch einordnen lassen, gibt es noch zwei Krechtingzweige, bei denen dieses noch nicht gelungen ist. Hierbei handelt es sich um die Familie von Gerhard Krechting und Catharina Vinkenberg (* um 1645/50), und die Familie von Henrich Krechting und Margarethe Kestering (* um 1645/50). Es läßt sich nur soviel sagen, daß die Familien Gerhard und Heinrich Krechting auf Grund der Patenschaften bei den Kindern dieser Eheleute zur engeren Verwandtschaft des Bürgermeisters Johann Krechting (Sohn von Engelbert Krechting), gehören müssen.

Auf dem Friedhof des Dorfes Dykhausen in Ostfriesland hat Gerhard de Buhr, selbst ein Krechting-Nachkomme, im Jahre 1949 die mächtige Platte vom Grab Heinrich Krechtings, des Kanzlers der münsterischen Wiedertäufer, gefunden und dafür gesorgt, daß sie mit finanzieller Hilfe der Ostfriesischen Landschaft in die dortige Kirche geholt werden konnte, wo sie heute in einem sehr guten Erhaltungszustand zu sehen ist. Die Inschriften der Grabplatte lauten:

                    Anno 1580 de(n) 28 Juni is de Erbare und fele Ersame
                    Hinrik Krechting von duser werlt salich versceden,
                    sines olders in den 80iar und heft deser kerken unde
                    Armen to Dikusen 35 iar als ein bowmester truvlich
                    vorgestan.
                    Anno 1553 den 20 april is de dogentsame Elske Wantmans,
                    Hinrik Krechtings elige husfrowe in got entslapen.

Darunter wurde das Wappen Heinrich Krechtings mit den drei Ilex-Blättern in den Stein gehauen, flankiert von den Wappen seiner beiden Ehefrauen. Das Wappen seiner zweiter Frau Anna Buck, der springende Bock, deutet auf deren Herkunft aus der münsterischen Erbmännerfamilie Buck hin. Sie lebte beim Tode ihres Mannes noch und hat wohl die Grabplatte in Auftrag gegeben, wobei sie ihre eigene Grabsteininschrift gleich mit einhauen ließ:

                    Anno ..... den ..... is de dogensame Anne Buckes,
                    Hinrick Krechtings Elige husfrowe in godt Entslapen.

Da Toesjahr und -datum, die nach ihrem Tod noch nachgehauen werden sollten, fehlen, kann man annehmen, daß sie nicht in diesem Grab an der Seite ihres Mannes beigesetzt worden ist.
Um das Jahr 1526 hatte Heinrich Krechting Elske Oedefeld geheiratet, die auch den Namen Wandmann führte. Sie könnte aus Burgsteinfurt stammen, wo zu dieser Zeit eine Familie dieses Namens ansässig war. Drei Söhne, Hermann, Engelbert und Johann, und eine Tochter, Fenne, gingen aus der Ehe hervor. Im Jahre 1531 war Heinrich Krechting Bürgermeister in seiner Vaterstadt. Kurz darauf, am 8.Januar 1532, wurde er als Nachfolger Arnd Belholts zum Gografen Gogerichts zum Sandweill bei Metelen bestellt. Der genannte Arnd Belholt war bis 1529 Stadtrichter in Münster gewesen. Im August 1533 nahm er am Religionsgespräch zwischen Katholiken, Lutheranern und Wiedertäufern zusammen mit Brictius thon Norde auf Seiten der Lutheraner teil. Belholts Stiefsohn Hermann Tilbeck, zuerst Lutheraner (1532) und Bürgermeister der Stadt Münster seit 4.März 1533, nennt das Bichtbok als einen der Hauptschuldigen am Emporkommen der Wiedertäufer und wirft ihm mehrfachen Verrat vor. Die Hofordnung Jan van Leidens führt ihn als seinen Hofmeister auf. Heinrich Krechting hat im Juni 1532 seinen Amtsvorgänger Arnd Belholt auf bischhöflichen Befehl verhaften und nach Horstmar in das Burggefängnis bringen müssen, wo er grausam gefoltert wurde.
 Als dann an Heinrich Krechting schon kurze Zeit später der Befehl erging, den Freund Belholts und hochgeachteten Stadtsyndikus von Münster u. Bremen, Johann von der Wieck, zu verhaften und als Ketzer verbrennen zu lassen, verweigerte er die Ausführung des Befehls. Das hatte die Aussendung von 100 Reitern und 200 Schützen durch den münsterischen Bischof und das Domkapitel zur Folge, um den Fluchtigen Gografen zu fangen.
Die Befehlsverweigerung Heinrich Krechtings dürfte mit ein Anlaß gewesen sein, sich und seine große Familie in der festen Stadt Münster, im "Neuen Jerusalem", in Sicherheit zu bringen.

Die weiteren Ereignisse der Jahre 1534 und 1535 in Münster sind bekannt. Als am 25.Juni 1535 die Stadt erobert wurde, verteidigte sich eine Gruppe von Wiedertäufern in einer Wagenburg auf dem Domhof, unter ihnen Heinrich Krechting. Ihm wurde von einem der Anführer der bischhöflichen Truppen, Johann von Raesfeld, umme older Kundtschop freier Abzug gewährt. Als Zehrgeld erhielt er sogar noch 10 Goldgulden. Diese Milde Johann von Raesfelds mit einem Wiedertäufer überrascht. Die Bremer Nharichtung begründet sie mit alter Bekanntschaft, vielleicht lag sogar eine nähere Verwandschaft vor.
Um 1500 amtierte nämlich in Schöppingen ein Engelbert von Raesfeld als substituierter Holzrichter der Weerscher Mark, der ein Nachbar des Stadtschreibers Engelbert Krechting war und zur Familie des Grundherrn des Krechtinghofes in Billerbeck gehörte.

Den Kindern Heinrich Krechtings, über die der Onkel Hermann Krechting in Burgsteinfurt die Vormundschaft führte, gab Bischof Franz von Waldeck schon am 7.Mai 1536 den väterlichen Besitz in Schöppingen zurück, außer dem Elternhaus, das am 12.Mai der Schöppinger Vogt Johann von Lintel kaufte.
Zu dieser Zeit nahm der Bischof an, Heinrich Krechting sei ums Leben gekommen, denn die Urkunde über die Rückgabe des Besitztes spricht ausdrücklich vom "Nachlaß" und den "nachgelassenen" Kindern Heinrich Krechtings.
Wie wir wissen, war Heinrich Krechting aber nicht tot. Er stand im Jahre 1538 vielmehr als Führer der Täufergemeinde in Oldenburg auf der Höhe seines Einflusses, der bis in die Niederlande spürbar war.
Im Jahre 1543 ist Heinrich Krechting mit seiner Familie in der Herrschaft Gödens nachweisbar, wo er den olden Krochwarff auf Lebenszeit pachtete. Unter dem Einfluß Johannes a Lascos, des Superintendenten in Emden, soll Heinrich Krechting seine wiedertäuferischen Ideen aufgegeben haben und zur reformierten Konfession übergetreten sein.
Seit 1545 war der achtbare, gelehrte und fromme Heinrich Krechting Kirchen - und Armenvorsteher in Dykhausen, wo er auch starb. Seine Kinder Fenne und Engelbert blieben in der Herrlichkeit Gödens und gründeten Familien mit zahlreicher Nachkommenschaft.
Den Sohn Johann zog es nach Amsterdam, wo er noch vor dem Vater gestorben ist. Hermann, der dritte Sohn, 1528 in Schöppingen geboren, heiratete 1553 Catharina Velthusen (1533-1594) und erwarb mit ihr das Bürgerrecht der Hansestadt Bremen.

Als Kaufmann kam Hermann Krefting (+1607) - so nannte sich die Familie in Bremen - zu Ansehen und großem Vermögen. Seine Nachkommen sind in allen Bremer Ratsgeschlechtern zu finden:
Die Tochter Ilse Krefting (1556-1625) wurde im Jahre 1576 die Frau des Bremer Rathsherrn Johann Wachmann (1547-1616). Von ihren Kindern war der Sohn Hermann (1579-1658) Bürgermeister in Bremen, der Sohn Johann (1592-1659) Syndikus des Bremer Rats und die Tochter Helia (1581-1625) seit 1611 die Frau des Lizentiaten beider Rechte Mattheus Chytraeus (1579-1640). Hermann Kreftings Sohn Wolter stand als Kapitän in Diensten der Stadt Bremen. Wolters SohnHerman widerum wurde der Stammvater des weitverzweigten norwegischen Stammes der Familie.

Zu höchstem Ansehen in Europa brachte es der am 5.Oktober 1562 in Bremen geborene und nach dem Großvater benannte Sohn Heinrich Krefting. Er hatte in Wittenberg und Jena studiert und 1587 in Heidelberg promoviert. Hier wurde er auch Professor und Rat des Kurfürsten von der Pfalz. Im Jahre 1591 berief ihn der Rat seiner Vaterschaft zum Syndikus. Auf seinen theoretisch -rechtlichen Arbeiten beruhen das Bündnis der Hanse mit den niederländischen Generalstaaten von 1611, der engere Hansebund von 1630 und die Bremer Rechsfreiheit von 1646. Heinrich Krefting starb am 1.August 1611 an der Pest. Sein Bildnis von 1699 hängt im Bremer Focke-Museum.
 Anna Krechting starb nach der Bremer Tafel am 8.Juni 1574 in Schöppingen. Sie blieb nach ihrer Heirat mit Lubbert Haverhove im Elternhaus. Ihr Mann wird daher im Schatzungsregister von 1533, also noch vor dem Zug des Krechting-Clans nach Münster, nach westfälischem Brauch auch Lubbert Krechting genannt. In Münster wurde er der Koch des Wiederfäuferkönigs.
Bei der Eroberung der Stadt Münster ist Lubbert Haverhove genannt Krechting zu Tode gekommen. Seine Witwe überlebte das Massaker und zog mit dem einzigen Sohn - die Bremer Tafel nennt ihn Lubbert Krefting - nach Schöppingen zurück.

Bei seinem Sohn Dirich oder Dietrich Krechting nahm die Stadt Schöppingen am Michaelistag 1583 zur "Tymmeringe" des Rathauses 100 silberne Taler auf. Dafür durfte er im Stadtgraben fischen und den Stadtwall unter der Bedingung nutzen, daß er dabei die Brustwehr auf dem Wall nicht bgeschädige. Diese Bedingung war von allergrößter Wichtigkeit für die Stadt, da während des damals das Münsterland sehr in Mitleidenschaft ziehenden Spanisch-Niederländischen Krieges jederzeit mit einem plötzlichen Überfall gerechnet werden mußte.
Von Dietrich Krechting-Haverhove sind folgende Kinder bekannt:
Engelbert Krechting, Bürger in Hamm. Er und seine Frau Catharina Dalhoff aus Fröndenberg werden am 25.Januar 1612 in einer Urkunde genannt.
Lubbert Krechting genannt Haverhove, Bürger in Münster am 2.August 1627, gestorben vor dem 5.November 1632, war Prokurator des Minoritenklosters in Münster. Wahrscheinlich wohnte er bei seiner Verwandten Alheid Busch, Witwe Eickrodt, die er auch in seinem Testament bedachte.
Anna Krechting, Bürgerin in Burgsteinfurt 1621, war verheiratet mit Rotger Thier zu Eswig aus Billerbeck. Mit ihm hatte sie mehrere Kinder.

Kunne Krechting war nach der Bremer Tafel die jüngste Tochter ihrer Eltern. In Wirklichkeit dürfte sie jedoch die älteste Tochter gewesen sein, weil ihr Sohn Wolter Schemering, münsterischer Kleriker und Notar, bereits am 8.Juni 1532 eine Belehnung Johann von Asbecks mit dem Hof Morbeck in Legden beurkundete. Er überlebte ebenfalls die Eroberung der Stadt Münster und fand schon vor 1537 seinen Weg in die ostfriesische Herrlichkeit Gödens: Der dkortige Häuptling Haro von Oldersum überließ am 8.Dezember dieses Jahres seinem Diener und Schreiber Wolter Schemering eine Warf umt 6 Grasen Landes und 6 Myermath Wiesen.
Wolter Schemering, der ehemalige Mundschenk Jan van Leidens, starb am 5.April 1579. Seine Frau Maria von Galen war ihm schon 1565 im Tode vorausgegangen. Von ihren Kindern wurde Peter später gräflich-ostfriesischer Vogt in Wittmund und Johann Gerichtsverwalter in Gödens. Die Söhne Haro und Hilberich dürften erst nach der Übersiedlung der Eltern nach Ostfriesland geboren sein.
Wolters Bruder Engelbert bekleidete ebenfalls eine Charge am "Königlichen Hof" in Münster. Er versah dort das Amt des Vorschneiders der "Obersten Königin" Divara.
Wolter und Engelbert waren Söhne von Peter Schemering, den die Schöppinger Schatzungsliste von 1533 nennt. Für sie und zwei weitere, aber mit Vornamen unbekannte Geschwister liegt ein Gnadengesuch aus der Zeit nach der Eroberung Münsters vor. Eines der vier Kinder kam nach Schöppingen zurück und gründete dort eine Familie. Ein von Schöppingen gebürtiger Georg Schemering war seit 1571 Kanoniker in Horstmar und hatte im Jahre 1604 von einer Konkubine drei Kinder, ein Mädchen und zwei Jungen.

Hans Jürgen Warnecke, 1988