Nach einem Bericht von Hans Jürgen Warnecke aus dem Jahr 1988 Um die Mitte des 15. Jahrhunderts, in der Zeit der Münsterischen Stiftsfehde (1450-1457), als Schöppingen vom münsterischen Bischof Walram von Moers an den Bischof von Utrecht verpfändet, die Brictius-Kirche am 30.April 1453 infolge der Kampfhandlungen ein Raub der Flammen geworden war und die Stadt im Jahre 1455 vergeblich von Johann von Hoya belagert wurde, setzt die schriftliche Überlieferung der Familie Krechting ein. In der Nharichtung von der Krefftinge Afkunst, fern der Stammheimat des Geschlechts under siner egen handt also beschrefen, berichtet der Enkel des Kanzlers der Wiedertäufer Heinrich Krechting in vielen, nachweisbar zutreffenden Einzelheiten von dem abenteuerlichen Leben seines Großvaters. Die Angaben über die Herkunft seiner Familie und deren Verstrickung in die Kriege Herzog Karls des Kühnen von Burgund am Niederrhein und in der Schweiz muten verworren und zunächst wenig glaubhaft an: Hermann Kreffting senior, Burger in Bremen, Darmede dat mine Kinder
undt Nakomelinge de Afkunst ihres geschlechtes undt nahmens mögen
weten, so will ich deß bericht dohn, so vele ich deß van minen
leven Olderen undt anderen erfahren hebbe.
Hierzu ist zunächst zu sagen, daß in dieser Zeit nicht zwei Brüder um den Besitz des Herzogtums Geldern kämpften, sondern Vater und Sohn. Nach der Niederlage und Gefangennahme Herzog Arnolds von Geldern im Jahre 1465 dürfte Graf Bernhard von Bentheim mit seinen Burgmännern und Soldaten in die Heimat zurückgekehrt sein, unter ihnen zweifelsohne sein Burggraf Gerlach von Bevern und dessen Reisiger, der mede vordrevene Avergrotevader in der Nharichtung Hermann Krechtings. Wie hieß aber dieser Avergrotevader und woher stammte er? Spricht die Nharichtung die Wahrheit, wenn sie den Edelmans sitz, daß Huß tho Krechting genant, nicht wyt van Wesel ungefehr by Bliggenbeke als seine Heimat ansieht? Darf man überhaupt den Versuch wagen, nach dem Namen und der Herkunft eines einfachen Soldaten zu forschen, der vor 500 Jahren lebte? Ein Haus Krechting, auf dem seit Mitte des 13. Jahrhunderts ein Adelsgeschlecht dieses Namens saß, hat es tatsächlich gegeben. Doch liegt es nicht bei Wesel, sondern ungefähr 30 km landeinwärts zwischen Bocholt und Rhede. Die adligen, im 15. Jahrhundert ausgestorbenen Krechtings führten in ihrem Wappen 10 silberne Ringe im schwarzen Schild. Einige Zweige der bürgerlichen Krechtings in Schöppingen, von denen hier die Rede ist, hatten aber ein völlig anderes Wappen. In Gold drei grüne Blätter und als Helmzier ein grünes Blatt zwischen zwei Büffelhörnern, von denen das rechte von gold und grün, das linke von grün und gold geteilt ist. Die völlig verschiedenen Wappen der adligen und der bürgerlichen
Krechtings führen zu dem Schluß, daß beide Geschlechter
blutsmäßig nichts miteinander zu tun hatten!
Deweile aldo de sake so elende undt bedrövet mit unsem geschlechte
gestanden undt min Grotevader ein klein junge waß, ok nergen genen
thoholdt wuste, overst gehoret hadde, dat in dem Closter tho Metelen he
eine frundinne, entweder Vaders ofte Modersuster, hadde, so waß he
darna tho gewandert, alwor he woll entfangen undt geholden worden, wento
dat Closter woll begüdert, niemans dan von Adel angenohmen wordt undt
also min Grotevader van siner frundinnen tho der Latinischen Schole geholden,
viellicht deß vorhebbens, einen geistlich man daruth tho maken. Alß
averst de frundinne verstarff undt dat geldt, wider tho studierende nicht
folgen wolte, aldo gaff he sick tho diensten in dat Stedeken Schopinge,
so nicht widt von Metelen ligt unde leth sich vor örer Secretarium
bestellen. Dar he sick entliken mit enes mans dochter in leth undt huß
undt hoff befryede, aldo vorgath he sin leth und vaderlandt. Undt waß
mit sinem geringen stande tho freden, wowol na gelegenheit deß Stedekensde
regerung öhme vertruwet undt befohlen worth. He tugede mit siner Husfrowen,
deren name Grete (Raesfeld?) gewesen ist vier dochtere und sechs Sohns,
welche he alle tho der Latinischen Schole (in Metelen?) in der Jöget
geholden, so lange, dat se sulven afkoren. De oldeste hetede Hermann, de
wort erstlich ein Schriver by dem Graven von Steinfort. Darnach wort he
Rentemeister und ist tho Steinforth wohl bedaget gestorven.
Engelbert Krechting, der Großvater des Verfassers der Nharichtung, dürfte im Jahre 1465 ein Kind von ungefähr zehn Jahren gewesen sein, als sein mutmaßlicher Vater Bernd Krechting mit den Bentheimer Truppen dem von seinem Sohn bedrängten Herzog Arnold von Geldern zu Hilfe eilen mußte. Seine Mutter muß damals bereits tot gewesen sein, sonst wäre er nicht - er hatte ja niemand mehr, an den er sich halten konnte - in die Kaiserliche Freiheit des 20 km von Billerbeck entfernten Damenstiftes Metelen gewandert, wo eine Vaters- oder Muttersschwester leben sollte. Diese nahm sich auch wirklich des Jungen an und schickte ihn auf die dortige Lateinschule, weil sie einen Geistlichen aus ihm machen wollte. Der frühe Tod der Tante lenkte den vorgezeichneten Weg Engelbert Krechtings aber in eine andere Bahn. Der junge Mann konnte nicht weiterstudieren, weil er kein Geld hatte. So war er gezwungen, sich nach einer Anstellung umzusehen. Er fand sie im nahen Schöppingen, wo vielleicht Verwandte oder Freunde ihn für die Stelle des Stadtschreibers vorgeschlagen hatten. An der dortigen Brictius-Kirche soll er außerdem als Organist tätig gewesen sein. Es ist schade, daß die Nharichtung nur den Vornamen von Engelbert
Krechtings Frau nennt, aber nichts über ihre Herkunft aussagt. Da
er mit seiner Frau Grete Huß undt Hoff befryede - es muß um
1475 gewesen sein - war sie wohl eine gebürtige Schöppingerin.
Sie könnte eine Verwandte des Holzrichters Engelbert Raesfeld oder
des Schöppinger Vogtes Heinrich gewesen sein, der im Jahre 1498 und
1499 im Haus Schöppingen Nr.1 mit seiner Frau wohnte. Der Vogt Heinrich
wiederum könnte der Vater des bischöflichen Vogtes Johann von
Lintel gewesen sein, der im Schatzungsregister von 1551 an 1. Stelle steht
und am 12. Mai 1536 das Haus des Täufers Heinrich Krechting (zurück-?)kaufte.
Vier Töchter und sechs Söhne wuchsen im Haus des Schöppingers Stadtschreibers und Organisten heran. Das sagt die Nharichtung. Aber nur Hermann, der älteste Sohn wird darin mit Namen genannt. Unbekannt sind die Vornamen der beiden Söhne, die wie viele andere ihrer münsterländischen Landsleute nach Livland gegangen sein sollen. Der in Ostfriesland verstorbene Vater des Verfassers der Nharichtung war der bekannte Kanzler Jan van Leidens, Heinrich Krechting. Seine Brüder Johann in Schöppingen und Bernhard, der Gildehauser Prediger, dürften identisch sein mit den anderen (Söhnen) im Stifte Münster. Über die vier Töchter steht in der Nharichtung überhaupt nichts. Aus westfälischen Quellen war über sie ebenfalls nichts in Erfahrung zu bringen. Glücklicherweise ist aber in Bremen eine Stammtafel Krefting - wie die Familie Krechting dort genannt wurde - erhalten geblieben, deren Angaben sich bei der Überprüfung als überraschend zuverlässig erwiesen haben. Die Bremer Tafel nennt die Kinder Engelbert Krechtings in folgender
Reihenfolge:
Die nach Livland ausgewanderten beiden Söhne fehlen also auch hier.
Möglicherweise ist einer von ihnen jener wiedertäuferische Gert
Becker genannt Krechting, Bäcker und Koitbrauer auf der Ritterstraße
Nr. 50 in Münster, dessen Haus und Gadem - Wert 200 Gulden - nach
Eroberung der Stadt beschlagnahmt und 1536 für 7 Gulden an Johann
Garthus verkauft wurde.
Von der Tochter Gebke, die in einem Kloster in Münster gelebt haben soll, konnte bisher gar nichts festgestellt werden. Für sie besteht aber auch kein genealogisches Interesse. Wen ihre Schwester Catharina geheiratet hat, ließ sich ebenfalls nicht ermitteln. Möglicherweise war sie die Frau des Gerd Koeninck, der im Februar 1534 mit der Großfamilie Krechting nach Münster zog. Grundlage für diese Annahme ist die Nennung eines Prozeßverfahrens Koeninck alias Krechting im Protokollbuch des münsterischen Prokurators Gerhard Lennep zum Jahr 1561. Der Verbleib von Catharina Krechtings Tochter Gretje, die mit einem
Gg. (Georg) Schödig verheiratet gewesen sein soll, konnte ermittelt
werden. In Burgsteinfurt gab es von 1551 bis 1568 einen Wirt und Bürgermeister
Schodirk, dessen Vater Gerd Kremer, Scho Dyrks Sohn, aus Gildehaus, im
Jahr 1525 Bürger in Burgsteinfurt geworden war. Der Bürgermeister
Schodirk hatte eine Grete unbekannten Familiennamens zur Frau. Obwohl der
Bürgermeister Johann und nicht Georg hieß, muß seine Frau
Grete die Tochter von Catharina Krechting gewesen sein. Dafür sprechen
folgende Gründe:
Hermann Krechting, der nächste in der Geschwisterreihe, muß
der älteste Sohn des Schöppinger Stadtschreibers gewesen sein.
Sein Geburtsjahr dürfte um 1480 liegen, war er doch bereits im Jahre
1504 Schreiber des minderjährigen Grafen Arnd von Steinfurt (1498-1553).
Im Jahre 1514 erhielt Hermann Krechting das Bürgerrecht in Burgsteinfurt,
das im Jahr zuvor bereits seine erste Frau Fenne erworben hatte. In dieser
Zeit dürfte er auch vom Schreiber des Grafen zu dessen Rentmeister
aufgerückt sein. Um das Jahr 1519 wurde er Gograf des Gogerichts Rüschau
bei Laer, amtierte hin und wieder aber auch in Vertretung als Steinfurter
Stadtrichter. Bis zu seinem Tode um das Jahr 1540 kann man ihn in fast
allen Steinfurter Urkunden, Rentamtsrechnugen, Gerichtsprotokollen und
anderen Aufzeichnungen als Gografen, Richter, Umstand, Bürger oder
Zeugen finden. Am gräflichen Hof hatter er eine ausgesprochene Vertrauensstellung,
die ihn des öfteren auch zur Übernahme diplomatischer Missionen
befähigte. Auf Grund seiner familiären Beziehungen nach Münster
durch seine zweite Frau Anna Hoyer konnte er nach dem Zusammenbruch des
Täuferreichs dort am besten - er war ja nicht wie seine Brüder
Wiedertäufer geworden - die Interessen der hinterbliebenen Kinder
seiner umgekommenen Geschwister wahrnehmen. Hermann Krechtings zweite Frau,
die er vor 1521 geheiratet hatte, war eine Tochter des aus Deventer stammenden
münsterischen Stadtschreibers Dietrich Hoyer (1494-1529), der ihr
das Haus Roggenmarkt 15 in Münster vererbte. Es war die Herberge "Zum
Mohren", in der im Mai des Jahres 1542 der Batenburger Täufer Cornelius
Apelmann aus Leiden mit acht Genossen zechte, als er von dem flüchtigen
Albert Rybbertynch aus Emlichheim von der Hinrichtung der Brüder Morveldinck
in Deventer in Kenntnis gesetzt wurde und gerade noch fliehen konnte.
Anna Krechting heiratete den Burgsteinfurter Schuhmacher Rötger
Stücker
Ihrem Sohn Bernd vermietete die Witwe Hermann Krechtings im Jahre 1540 die Herberge am Roggenmarkt in Münster. Als er bereits zwischen 1548 und 1549 starb, klagte sie Bernds Witwe Margarethe Boeckmann, die sich inzwischen mit Johann Pötken, dem Besitzer der Herberge "Im Slottel" auf dem Spiekerhof Nr. 38, wiederverheiratet hatte, aus dem Haus heraus und übergab es ihrem Sohn Herbord Krechting. Die drei Kinder Bernhard Krechtings kamen anscheinend zu Verwandten nach Rheine und begründeten dort später zwei weitere Krechting-Stämme. Herbord Krechting war im Jahre 1565 im Besitz des Hauses am Roggenmarkt.
Sein erste Frau Catharina gehörte der Kaufhändlerfamilie Verendorp
an, da die Kinder Hermann, Anneke, Bernhard, Gottfried, Johannes und Cathrineken
am 17. Juli 1565 nach dem Tod der Mutter den münsterischen Fernhändler
Johann Verendorp aus ihrer Verwandtschaft und Engelbert Krechting in Burgsteinfurt,
den Bruder des Vater, vom Rat der Stadt Münster als Vormünder
verordnet bekamen. Von Herbord Krechtings Frau ist nur der Vorname Anna
bekannt.
Sein Sohn Dietrich erhielt im Jahre 1600 das Bürgerrecht in Bremen und heiratete dort am 11.6.1611 Ilsabe Wachmann (1590-1662), eine Tochter von Johann Wachmann (1547-1616) und Ilse Krefting (1556-1625). Diese wiederum war die Enkelin des Wiedertäuferkanzlers Heinrich Krechting. In Bremen wie in Münster läßt sich feststellen, daß nicht wenige Nachkommen des Schöppinger Stadtschreibers Engelbert Krechting untereinander geheiratet haben. Unzählige Nachkommen Dietrich Krechtings leben heute in Nordschleswig und Dänemark. Über die anderen Kinder Herbord Krechtings konnten bisher keine weiteren Angaben gefunden werden. Herbords Bruder Engelbert übernahm das Elternhaus am Markt Nr. 7 in Burgsteinfurt, das dann später seine Tochter Anna erbte, weil der Sohn Hermann sich in Coesfeld und der Sohn Walrad sich in Rheine niederließen und eine weitere Tochter sich an den Horstmarer Bürgermeister Gottschalk Hauskock verheiratete. Anna Krechting und ihr Mann Johann Schlüter aus Havixbeck gaben ihr am 19. Januar 1582 erworbenes Bürgerrecht in Münster auf und übersiedelten im Jahre 1595 nach Burgsteinfurt, um den alten, inzwischen zum zweiten Mal verwitweten Vater zu versorgen und um sein Handelsgeschäft weiterzuführen. Ein Großteil der alteingesessenen Burgsteinfurter Bürger stammt von Johann Schlüter und seiner Frau Anna Krechting ab. Der Rheiner Kaufhändler und wahrscheinlich auch Wirt Walrad Krechting
mußte im Jahre 1625 die Stadt mit zahlreichen anderen wohlhabenden
Familien wegen seines calvinistischen Glaubens verlassen.
Walrad Krechtings Bruder Hermann gewann im Jahre 1582 das Bürgerrecht
in Coesfeld. Kurz zuvor dürfte er sich mit der Tochter des Ratsherrn
Dietrich Hülsmann, Elisabeth, verheiratet haben, die ihm ein gutes
Vermögen mit in die Ehe brachte und das Hermann Krechting als Wandschneider
beträchtlich vermehren konnte.
Der Schicksalsgefährte Jan van Leidens und Bernhard Knipperkollincks
war Bernhard Krechting. Vermutlich hat er wie seine Brüder die Lateinschule
in Metelen besucht, bevor er vom Grafen von Bentheim als Burgkaplan nach
Bentheim berufen wurde. In seinem Verhör am 25. Juli 1535 sagte er
aus, er habe des Grafen Frau und Kind unterrichtet und ihnen gepredigt,
darum habe er allda in der Herrlichkeit eine Kirche - das war Gildehaus
- erlangt. Weil aber dem Herzog von Geldern seine - vielleicht schon wiedertäuferische
- Predigt nicht gefallen und ihn deshalb bedroht habe, sei er nach Münster
gezogen. Hier wurde er ab August 1532 als Anhänger des "Stutenbernds"
Rothmann tätig.
Bernhard Krechting bekannte am 25. Juli 1535 beim Verhör, er habe
drei
Weiber gehabt, von denen zwei geschwängert waren. Deshalb habe er
die dritte Frau eben auch gehabt. Die Namen der drei Frauen werden nirgendwo
genannt. Die Quellen sagen auch nichts darüber aus, ob die beiden
von Bernhard Krechting schwangeren Frauen ihre Kinder überhaupt zu
Welt gebracht haben. Nach weitgehend abgeschlossener genealogischer Einordnung
aller bis jetzt bekanntegewordenen Namensträger Krechting, kann eine
Frau namhaft gemacht werden, die einen Sohn von Bernhard Krechting hatte.
Johann Krechting steht in der Hofordnung van Leidens als Pferdearzt
und Aufseher über das Öl. Auch er fand bei der Eroberung Münsters
im Jahre 1535 den Tod. Leider werden im Gnadengesuch für die vier
Kinder Peter Schemerings, den Sohn Lubbert Haverhoves und die vier Kinder
Johann Krechtings derer Vornamen nicht genannt, doch werden sie in der
Bremer Tafel mit Gerd, Johann, Arend und Elsche, verehelichte Schornewange
(Schoneweg in Laer?) angegeben.
Die Tochter Bertha, (+ Metelen 24.Mai 1662 im Alter von 90 Jahren) war
die Frau des langjährigen Metelener Bürgermeisters Peter Köning,
der im Februar 1629 starb. Die Eheleute hatten zahlreich Nachkommen in
den Familien Wessendorf, Stühlen, Edelbrock, Hageböck, Brinkhaus,
Wieschebrink, Hüffer u.v.a.
Während sich die Nachkommen von Engelbert Krechting genealogisch einordnen lassen, gibt es noch zwei Krechtingzweige, bei denen dieses noch nicht gelungen ist. Hierbei handelt es sich um die Familie von Gerhard Krechting und Catharina Vinkenberg (* um 1645/50), und die Familie von Henrich Krechting und Margarethe Kestering (* um 1645/50). Es läßt sich nur soviel sagen, daß die Familien Gerhard und Heinrich Krechting auf Grund der Patenschaften bei den Kindern dieser Eheleute zur engeren Verwandtschaft des Bürgermeisters Johann Krechting (Sohn von Engelbert Krechting), gehören müssen. Auf dem Friedhof des Dorfes Dykhausen in Ostfriesland hat Gerhard de Buhr, selbst ein Krechting-Nachkomme, im Jahre 1949 die mächtige Platte vom Grab Heinrich Krechtings, des Kanzlers der münsterischen Wiedertäufer, gefunden und dafür gesorgt, daß sie mit finanzieller Hilfe der Ostfriesischen Landschaft in die dortige Kirche geholt werden konnte, wo sie heute in einem sehr guten Erhaltungszustand zu sehen ist. Die Inschriften der Grabplatte lauten:
Anno 1580 de(n) 28 Juni is de Erbare und fele Ersame
Darunter wurde das Wappen Heinrich Krechtings mit den drei Ilex-Blättern in den Stein gehauen, flankiert von den Wappen seiner beiden Ehefrauen. Das Wappen seiner zweiter Frau Anna Buck, der springende Bock, deutet auf deren Herkunft aus der münsterischen Erbmännerfamilie Buck hin. Sie lebte beim Tode ihres Mannes noch und hat wohl die Grabplatte in Auftrag gegeben, wobei sie ihre eigene Grabsteininschrift gleich mit einhauen ließ:
Anno ..... den ..... is de dogensame Anne Buckes,
Da Toesjahr und -datum, die nach ihrem Tod noch nachgehauen werden sollten,
fehlen, kann man annehmen, daß sie nicht in diesem Grab an der Seite
ihres Mannes beigesetzt worden ist.
Die weiteren Ereignisse der Jahre 1534 und 1535 in Münster sind
bekannt. Als am 25.Juni 1535 die Stadt erobert wurde, verteidigte sich
eine Gruppe von Wiedertäufern in einer Wagenburg auf dem Domhof, unter
ihnen Heinrich Krechting. Ihm wurde von einem der Anführer der bischhöflichen
Truppen, Johann von Raesfeld, umme older Kundtschop freier Abzug gewährt.
Als Zehrgeld erhielt er sogar noch 10 Goldgulden. Diese Milde Johann von
Raesfelds mit einem Wiedertäufer überrascht. Die Bremer Nharichtung
begründet sie mit alter Bekanntschaft, vielleicht lag sogar eine nähere
Verwandschaft vor.
Den Kindern Heinrich Krechtings, über die der Onkel Hermann Krechting
in Burgsteinfurt die Vormundschaft führte, gab Bischof Franz von Waldeck
schon am 7.Mai 1536 den väterlichen Besitz in Schöppingen zurück,
außer dem Elternhaus, das am 12.Mai der Schöppinger Vogt Johann
von Lintel kaufte.
Als Kaufmann kam Hermann Krefting (+1607) - so nannte sich die Familie
in Bremen - zu Ansehen und großem Vermögen. Seine Nachkommen
sind in allen Bremer Ratsgeschlechtern zu finden:
Zu höchstem Ansehen in Europa brachte es der am 5.Oktober 1562
in Bremen geborene und nach dem Großvater benannte Sohn Heinrich
Krefting. Er hatte in Wittenberg und Jena studiert und 1587 in Heidelberg
promoviert. Hier wurde er auch Professor und Rat des Kurfürsten von
der Pfalz. Im Jahre 1591 berief ihn der Rat seiner Vaterschaft zum Syndikus.
Auf seinen theoretisch -rechtlichen Arbeiten beruhen das Bündnis der
Hanse mit den niederländischen Generalstaaten von 1611, der engere
Hansebund von 1630 und die Bremer Rechsfreiheit von 1646. Heinrich Krefting
starb am 1.August 1611 an der Pest. Sein Bildnis von 1699 hängt im
Bremer Focke-Museum.
Bei seinem Sohn Dirich oder Dietrich Krechting nahm die Stadt Schöppingen
am Michaelistag 1583 zur "Tymmeringe" des Rathauses 100 silberne Taler
auf. Dafür durfte er im Stadtgraben fischen und den Stadtwall unter
der Bedingung nutzen, daß er dabei die Brustwehr auf dem Wall nicht
bgeschädige. Diese Bedingung war von allergrößter Wichtigkeit
für die Stadt, da während des damals das Münsterland sehr
in Mitleidenschaft ziehenden Spanisch-Niederländischen Krieges jederzeit
mit einem plötzlichen Überfall gerechnet werden mußte.
Kunne Krechting war nach der Bremer Tafel die jüngste Tochter ihrer
Eltern. In Wirklichkeit dürfte sie jedoch die älteste Tochter
gewesen sein, weil ihr Sohn Wolter Schemering, münsterischer Kleriker
und Notar, bereits am 8.Juni 1532 eine Belehnung Johann von Asbecks mit
dem Hof Morbeck in Legden beurkundete. Er überlebte ebenfalls die
Eroberung der Stadt Münster und fand schon vor 1537 seinen Weg in
die ostfriesische Herrlichkeit Gödens: Der dkortige Häuptling
Haro von Oldersum überließ am 8.Dezember dieses Jahres seinem
Diener und Schreiber Wolter Schemering eine Warf umt 6 Grasen Landes und
6 Myermath Wiesen.
Hans Jürgen Warnecke, 1988
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