Einleitung:

Da der Name Krechting untrennbar mit der Geschichte der Wiedertäufer in Münster verbunden ist, haben sich bereits mehrere Personen mit dieser Familie beschäftigt. Die weiteren Gründe für diese genealogischen Forschungen liegen aber auch in der Tatsache, daß ein Enkel des Wiedertäuferkanzlers einer der angesehensten Bürgermeister der Hansestadt Bremens wurde. Ein ein Urenkel des gleichen Wiedertäuferkanzlers wanderte nach Norwegen aus und wurde dort ein erfolgreicher Geschäftsmann. Ein weiterer Krechtingzweig hat sich in Schweden niedergelassen und wurde dort 1668 geadelt.

Nach den verschiedenen Forschungen ist unser ältester, nachweisbarer Ahn Engelbert Krechting, der Vater der Schöppinger Wiedertäufer -Brüder Hermann, Johann und Bernhard Krechting.

Die Verbindung zu dem adligen Geschlecht von Krechting ist auch heute noch nicht erwiesen. Während die alte, zwischen 1581 und 1607 niedergeschriebene Familienchronik von Hermann Krechting dieses zwar behauptet, konnte hierfür jedoch der Nachweis noch nicht erbracht werden. Einzig der Norwegische Familienzweig, welcher um 1890 intensive Nachforschungen vornahm, hat in seiner Stammtafel diese Verbindung aufgeführt indem sie als Vater von Engelbert Krechting Hermann von Krechting (*1430, + 1476) eingetragen haben. Hierzu wurde noch der Vermerk gemacht (nahm teil am Kampfe zwischen den Herzögen von Jülich und Geldern. Später in Karls des Kühnen Kriege gefallen bei Murten 22.6.1476). In dieser Stammtafel wurde als Geburtsjahr von Engelbert Krechting das Jahr ca. 1465 eingetragen.

Sowohl von Bippen (um 1890), Berhard de Buhr (um 1950), Gustav Wehner (um 1950), und Hans Jürgen Warnecke (um 1988) sehen keine Verbindung der Familien Krechting und von Krechting. Dieses wird hauptsächlich auf die unterschiedlichen Wappen zurückgeführt. Einzig de Buhr sieht noch eine "auffällige Namensgleichheit" in den Vornahmen der Nachkommen. Hans Jürgen Warnecke macht in seiner Forschung hierzu folgenden Vermerk: "Im Jahre 1468 erhielt Bernt Crechtynch van Benthem das Bürgerrecht in Burgsteinfurt. In ihm darf man mit guter Wahrscheinlichkeit den aus dem geldrischen Krieg heimgekehrten Avergrotevader Hermann Krechtings sehen". Das Geburtsjahr von Engelbert Krechting sieht er bei ca. 1455, indem er davon ausgeht, "daß Engelbert um 1465 ein Kind von ungefähr zehn Jahren gewesen sei, als sein mutmaßlicher Vater Bernd Krechting mit den Bentheimer Truppen dem von seinem Sohn bedrängten Herzog Arnold von Geldern zu Hilfe eilen mußte, und er sich in die Kaiserliche Freiheit des 20 km von Billerbeck entfernten Damenstiftes Metelen begab, wo eine Vaters- oder Muttersschwester leben sollte".

Hinsichtlich des Geburtsjahres von Engelbert Krechting liegen beide Ergebnisse, sowohl 1465 (die Norwegische) als auch 1455 (Warnecke), im akzeptablen Bereich, denn Engelbert Krechtings Sohn Hermann war im Jahre 1504 Schreiber des minderjährigen Grafen Arnd von Steinfurt. Somit dürfte sein Geburtsjahr nicht über 1485 liegen. Auch bei seiner Tochter Kunne Krechting verhält es sich ähnlich. Ihr Sohn Wolter Schemering, münsterischer Kleriker und Notar, beurkundete am 8.Juni 1532 eine Belehnung Johann von Asbecks mit dem Hof Morbeck in Legden. Nehmen wir also sein Geburtsjahr um das Jahr 1510 an, dürfte seine Mutter Kunne somit auch um das 1485 bis 1490 geboren sein.

Nach der Familienchronik soll aber der Vater von Engelbert Krechting in einer der letzten Schlacht des Herzogs gefallen sein.

" ... in welcheren Krich Hertoch Carl drei schlachting verloren, vornemlich in der lesten war derHertoch mit allen Heren undt Adel gebleven."

Dieses würde der Annahme wiedersprechen, daß Engelberts vermeintlicher Vater Bernt Crechtynch der aus dem geldrischen Krieg heimgekehrte Avergrotevader Hermann Krechtings ist. Auch desshalb, da er noch am 5.2.1478 lt. Urkunde in Burgsteinfurt auf der Rottstraße als Besitzer eingetragen war.

Laut Angaben vom Westfälischen Archiv gingen die Herren von Krechting 1473 mit ihrem ganzen Gefolge zu Karl dem Kühnen von Burgund, der sie mit in seine schweizerischen Kriege nahm, in denen sie alle umkamen. Diese Angabe deckt sich genau mit der alten Familienchronik.

Das gleiche Wappen, jedoch 10 goldene Ringe auf rotem Feld, trug im Jahre 1257 Sweder von Dingden-Ringenberg. Demnach dürfte das "alte" Krechting-Wappen dem Wappen derer von Dingden-Ringenberg nachempfunden sein. Das andere Wappen mit den drei Ilix-Blättern dagegen dürfte um 1500 entstanden sein, und wurde vermutlich dem Siegelring des Wiedertäuferkanzlers Heinrich Krechting nachempfunden. Als Siegel war hier ein Zweig der Stechpalme eingraviert. Auch bei diesem Wappen wurde die adelige Herkunft durch den Bügelhelm (ebenfalls mit Büffelhörnern) bezeugt.

In der nachfolgenden Genealogie habe ich, wohl wissend eines noch fehlenden Beweises, diese norwegische Forschung (Verbindung zur Familie von Krechting in Rhede) mit eingebunden.

 

Berend Krechting war der "Königsleutnant" Münsterschen Wiedertäufer und wurde am 21.Januar 1536 in Münster hingerichtet und zusammen mit Jan van Leyden und Bernd Knipperdollinck in Käfigen am Lambertiturm in Münster aufgehängt.

Johan Krechting war deren "Aufseher über das Öl" und wurde bei der Wiedereroberung Münsters am 25.Juni 1535 ermordet. Seine Nachkommen bilden den weiteren Schöppinger Familienzweig. Von Ihm stammen die meisten Krechtingzweige in Nordrhein-Westfalen ab.

Heinrich Krechting war deren "Kanzler" und konnte bei der Wiedereroberung Münster nach Norddeutschland entkommen (bzw. gab man Ihm freies Geleit). Seine Nachkommen wurden in Bremen unter den Namen Kreffting bzw. Krefting sesshaft. Unter Ihnen sind viele hochangesehene Bürger hervorgegangen. Von Ihm stammen die meisten Krechtingzweige in Norddeutschland ab. Sein Urenkel Harmen Krefting ist der Stammvater der Kreftingzweige in Norwegen und Dänemark.

Wolter Schemering, Sohn von Kunna Krechting, war der Mundschenk des Wiedertäufterkönigs Jan van Leyden. Seine Nachkommen sind ebenfalls in Norddeutschland verbreitet.