Gesuch um Rückgabe konfiszierten Besitzes zugunsten
Johann Krechtings und Peter Schemerings Kinder
(darunter Wolter Schemering) und des Kindes von Lubbert Haverhove    [X1]

(undatiert, nach der Einnahme Münsters am 25.6.1535)

"Tho gedenckene myt dem hoichwysen gestrengen erbern und erentfesten Reeden des hoichvormogende Ffursten und Heren Bisschop tho Monst. etc. to vorkallen und umme Goddes Wyllen tho vorhandelene vor de arme elendigen vorlathene, und vorbleven Kynder Johan Krechtinges und synder Huesfrouwe, voir Peter Schemerinck 4 Kynder und Lubbert Haverhove 1 Kynt, welcke vorgen. dree Borgere uth Schoppinge bynnen Monster vortogen unde aldar gelaten IX kleyner Kyndter. Hevet alsdan Diderick Kleth sodan ere semptlige Guet rorich und unrorich in Kummer dedaen dar nast klarlick beschreven befruchten de schemelen Vrunde de gemelte Rentemester dat wylle na Bevelle unsses genestigen Ffursten und Heren dat upt de Borch Horstmar to laten halen, wolden de Vrunde, und etzlike Borger uith Schoppinge den up gemelten Rentemester genochsame Borchtaill setten und Vorwyssinge doen dat sodane guet na Advenat eyns jderen der Vorkopene na vormoge des Inventarij mochte tot Vorholdinge der armen Kynder in eyns jderen Huss blyven hent und so lange men sege de alweldige Godt hyr in dessem Handell wath Endes geve, dan evenwall unssen genestigen Ffursten und Heren, und syner Gnaden Amptluede von billigen Affdracht to maken. So dyt mogelick were to erlangene men des uith der Cancelleyen eyne genedige Schryfft an dem Renthemester mochte gegeven werden."
(Gesuch) zur Beratung mit den hochweisen, gestrengen, ehrbaren und ehrenfesten Räten des hochmögenden Fürsten und Herrn Bischofs zu Münster etc., in der Sache der armen, heimatlosen, verlassenen und [hinsichtlich ihrer Forderungen] vernachlässigten Kinder Johann Krechtings und seiner Ehefrau, der vier Kinder Peter Schemerincks und des Kindes von Lubbert Haverhove in eine Besprechung einzutreten und zu verhandeln;
diese ebengenannten drei Bürger haben den Besitz ihrer neun kleinen Kinder aus Schöppingen in Münster [mitzunehmen] versäumt und ebendort gelassen; weil darauf Diderick Kloeth ihre sämtlichen beweglichen und unbeweglichen Güter beschlagnahmte, wie dortselbst ordnungsgemäß verzeichnet, befürchten die bescheidenen Angehörigen, der besagte Rentmeister würde das gemäß Befehl unseres gnädigsten Fürsten und Herrn auf die Burg Horstmar holen lassen. Würden die Angehörigen und einige Bürger aus Schöppingen dem besagten Rentmeister hinreichende Bürgschaft darbieten und Kaution stellen, das besagte Gut könnte nach Maßgabe eines jeden der Verkäufer gemäß dem Inventar zum Vorbehalt der armen Kinder in eines jeden Haus bleiben, bis und so lange man sehe, welchen Ausgang der allmächtige Gott dieser Angelegenheit hier gebe, dann gleichwohl unserem gnädigsten Fürsten und Herrn und seiner Gnaden Amtleute von angemessenen Abzug zu machen. Wenn es zu erlangen möglich wäre, könnte aber darüber aus der Kanzlei eine gnädige schriftliche Bestätigung dem Rentmeister zugestellt werden."

Bescheid des Bischofs von Münster, Franz v. Waldeck, auf das Gesuch des Gografen von Rüschau, Hermann Krechting, den Kindern seines Bruders Hinrich den väterlichen Besitz zurückzugeben.   [X2]

"Wy Franciscus van Gotz Gnaden Confirmirter [X3] to Münster und Osenbrugge, Administrator to Minden,
doen kundt, wo wal dat sick Hinrick Krechtinck hyrbevorns, yn Vergetunge syner Ehr und Plicht, by de Inhebber der uprorischer weddeerdopischer Handelonge, bynnen unser Stadt Munster ergeven, sodane Secte der Wedderdoip angenommen, ock unse und unses Stifftz Münster moetwillige Vyant geworden, daer dorch he uns als den Lantfursten, yn Macht des Hilligen Rycks Ordenunge myt Lyve und Gude verfallen, unde uns sodane syn Guet, dorch gemeyne Lantschap unses Stifftz Munster overgewiset. Dannoch bekennen wy, dat wy des upgemelten Hinricks nagelaten Kinderen , uth Gnaden und in Ansehunge der Barmherticheit, wedderume overgelaten, unde togestalt hebn, als wy enn dat ock hyrmedde vor uns und unse Nakomelinge, overlaten und tostellen eres Vaders Guet, Renthe und Schulde, na Vermoge Segel und Breve synes Reckenboicks, uthgescheiden syn Hues und Wonnynge bynnen Schoppingen, und wes wy syns nalaitz vor Datum dusses unses Breves an uns genommen, eder anderen verschreven, und vergeven hebnn. Und dewile des upgenompten Hinricks Broder, Herman Krechtinck, als ein Blutzverwanter myt unser Bewillunge an sick genommen, de nastendigen Schulde yn behoeff der Kinder yntoforderen, bevelen wy demna allen unsen Amptlueden, geistligen und wertligen Richteren, Voigeden und Bevelhebberen, enn darynn to synen Begehrten, doch up der Kinder Bekostunge, gude Fordernisse und Hülpe to bewisen. Und hebnn dusses allet in Bevestunge und Orkunde unse Segel an doen drucken. In dem Jare unses Heren Dusent viffhundert sess und dertich, am Sundage Jubilate."

Wir, Franciscus von Gottes Gnaden (päpstlich) Bestätigter (Bischof) zu Münster und Osnabrück, Administrator zu Minden, tun kund:
Obwohl sich Hinrich Krechtinck seinerzeit, ehr- und pflichtvergessen, den Teilnehmern der aufrührerischen wiedertäuferischen Vorgänge in unserer Stadt Münster zugesellt, besagter Wiedertäufersekte angeschlossen, auch aus freiem Willen unser und unseres Stiftes Münster Feind geworden, wodurch er uns als dem Landesfürsten nach dem Recht des Heiligen Reiches mit Leib und Gut verfallen und uns sein besagtes Vermögen durch die gesamte Landschaftsversammlung des Stifts Münster zugesprochen worden ist; erklären wir dennoch, daß wir des obengenannten Hinrichs hinterlassenen Kindern aus Gnade und Barmherzigkeit wieder überlassen und zugestellt haben, wie wir ihnen das auch für uns und unsere Erben überlassen und zustellen, ihres Vaters Vermögen, Einkünfte und Forderungen, gemäß Brief und Siegel seines Rechnungsbuches, ausgenommen sein Haus und seine Wohnung zu Schöppingen und was wir von seiner Hinterlassenschaft vor Datum dieses Bescheides an uns genommen oder anderen verschrieben und vergeben haben.
Und weil des obengenannten Hinrichs Bruder, Hermann Krechtinck, es als ein Blutsverwandter mit unserer Bewilligung übernommen hat, die ausstehenden Schulden im Namen der Kinder einzufordern, befehlen wir demgemäß allen unseren Amtleuten, geistlichen und weltlichen Richtern, Vögten und Vorgesetzten, ihm darin auf sein Begehr, doch gegen Unkostenerstattung aus dem Vermögen der Kinder, gute Förderung und Hilfe zu leisten, und haben zur Sicherung und Beurkundung all dessen unser Siegel aufdrücken lassen.
Im Jahre unseres Herrn 1536, am Sonntag Jubilate [7. Mai 1536]."



[X1]  STA Münster Best. 518/19 Bd. 7a Nr. 111.
[X2]  Münsterisches Urkundenbuch (Jos. NIESERT), 1. Bd. (1826), S. 231f, Nr. 38.
[X3]  Franz v. Waldeck hatte erst die niederen Weihen empfangen und wurde erst 1541 offiziell Bischof.
[X4]  Ende Juni 1535 war die Stadt gefallen; der Bischof geht offenbar noch im Mai 1536 davon aus,
         daß Hinrich Krechting umgekommen sei, sonst würde er nicht von hinterlassenen Kindern sprechen.
         Oder tat er nur so, um seine nach Reichsrecht eigentlich nicht statthafte Milde gegenüber dem "Vyant"
         verständlicher erscheinen zu lassen?