Abschrift aus der "BREMENSIA" von 1767

B R E M E N S I A

Gegründete Nachrichten zur Erläuterung der Alten und Neuen Geschichte, des ehmaligen berühmten Erzstifts und der Kaiserl. Freien Reichsstadt Bremen, mit vielen ungedrukten Urkunden ans Licht gestellet von Johan Philip Cassel öffentl. Lehrer der Beredsamkeit und freien Künste

Zweeten Bandes Zweiter Theil.

Bremen
bey. Johan Heinrich Cramer 1767.
V.

Historische Nachrichten von dem Leben und Schriften Herrn Henrich Krefting, Churpfälzlichen Raths, beider Rechten Doktors, und derselben öffentlichen Lehrers in Heidelberg, hernach Rathsherrn, und verdienten Burgermeisters in der Kaiserl.freien Reichsstadt Bremen.
 
 

§. 1.

Die Kreftingische Familie ist nicht ursprünglich Bremisch. Sie hat wie verschiedene andere, zur Zeit der Reformation, und nachher, ihre Zuflucht hiehen genommen, und der Religion und übrigen Bequemlichkeiten wegen, wie viele Familien damals aus Braband, die die Ruhe hier gesuchet und gefunden. Solchergestalt hat des Herrn Kreftings Vater sich auch in Bremen wonhaft niedergelassen.

§. 2.

Ehe ich aber auf meinen Gegenstand selbst komme, muß ich hier vorab eine Nachricht von der Kreftingische Familie mitteilen, welche sich in einer alten fast 200 Jahre geschriebenen, und noch ungedruckten Handschrift Herman Kreftings Kaufmans alhier und Vaters des Herrn Burgermeisters sich befindet. Sie ist nach damaliger Art in plattdeutscher Sprache abgefasset, so wie er solche aus beglaubten Handschriften und Documenten aufgezeichnet.
[Der Sal. Dr. Theodor de Hase hat auch eine Nachricht von dieser Familie gehabt, die der Herr Burgermeister selbst aufgesezet hat, welche aber im Wesentlichen nicht unterschieden seyn kkann Dissert .....]

Ich theile solche hier dem Hauptinhalt nach mit.

Nicht weit von Wesel bei Bliggenbeke lieget ein altes Landgut, das Haus zu Krechting genannt. Dieses Gut hat die Kreftingische Familie ehedem lange Zeit vor der Kirchenverbesserung in Besitz gehabt, und schreibet von demselben ihre Abkunft her. Wie aber die Herzoge von Geldern und Jülich im XV Jahrhundert um den Besitz ihrer Länder Krieg führten, und der eine den andern mit seinen anhängenden Edelleuten aus dem Lande jagte, und sie ihrer Güter beraubte, so wurde sein Uebergrosvater von Haus und Hof mit vertrieben. Der unterliegende Herzog nam darauf seine Zuflucht zu Carl dem Kühnen Herzog von Burgund, wie er eben im Kriege mit den Schweizern 1476 und 1477 begriffen war, und in dem lezten Treffen auch sein Leben einbüssete, so sei der Besitzer des Gutes Krechting der Aeltervater auch mit ums Leben gekommen.

Der Grosvater war in diesen betrübten Umständen noch ein kleiner Knabe, und ganz unschlüssig was er anfangen, oder zu wem er seine Zuflucht nehmen sollte. Er hatte aber von seinem Vater oft gehöret, daß eine nahe Anverwandtin, Vater oder Mutterschwester in einem adlichen Jungfrauen Kloster zu Mechlen lebte, er wäre also dahin gewandert, von seiner Tante wol empfangen, und erzogen, auch von ihr zur lateinischen Schule gehalten worden, um dereinst ein Mönch zu werden. Zu seinem grossen Leidwesen stirbt seine Verwandtin bald darauf, und das Vermögen seine Studien fortzusetzen, fehlte. Es fügte sich aber zu seinem Glük daß er in dem Städten Schöppingen, nicht weit von Mechlen Stadtschreiber und kurz darauf wol verheirathet wurde. In diesem Wolstande vergaß er seines Vaterlandes, und war mit seinem obgleich geringen Zustande wol zufrieden; besonders da die Regierung dieses Orts gröstentheils von ihm abhing. Mit seiner Hausfrau zeugte er 6 Söhne und 4 Töchter, die er nach seinen Umständen wol erziehen und unterweisen ließ. Der älteste Sohn Herman ward zuerst Schreiber, und darauf Rentmeister bei dem Grafen von Bentheim Steinfurt, in welcher Bedienung er auch zu Steinfurt gestorben. Zween Brüder hat das Schiksal nach Liefland, und zween andere ins Stift Münster, und seinen (des Burgermeisters) Grosvater nach Gödens in Ostfriesland gebracht, wo er auch gestorben.

 Nun werden ferner die Begebenheiten, die sein Vater erlebt, erzählet, wie er einen juten Grund in den Wissenschaften geleget hatte, nach ihn der Bischof von Münster in seine Dienste, und erhob ihn algemach zum Gografen von Sandtwolden. In diesem Amte lebte er in Ehren und Würden, und hatte auch Gelegenheit ein gutes Vermögen zu sammeln.

Wie aber Doctor Luther anfing wider das Papstthum zu schreiben, empfand er durch Lesung seiner Schriften eine innerliche Ueberzeugung, er wiedersprach in den öfteren Unterredungen über die Religion den Mönchen, mit welchen er seines Orts Umgang pflegte, zeigte ihnen ihre Laster, Fehler und Mängel in der Religion. Das Gerücht von seiner Gesinnung zu der neuen Kezerei breitete sich aus, es kam vor den Ohren des Bischofs, und der Domherren, seine bisher genossene Gnade und Ansehen fing algemach an, sich zu verminderen.

Inzwischen trug es sich zu, daß ein Syndicus aus Bremen Johan von der Wyck genannt, durch das Stift reisete, und in einem Wirtshause mit dem Münsterschen Weihbischofe der Religion wegen in einen Streit gerieth und so hart an einander kamen, daß er den Doctor Wyck gefangen nehmen, und auf das Haus Horstmar sezen leiß. Der Weihbischof brachte seine Klage bei dem Bischof und dem Capitel vor, und trieb die Sache so weit, daß an Krefting der Befehl geschikt wurde, den Doctor als einen Kezer zu verbrennen. Er begab sich darauf zu dem Bischof, und Capitel, protestirte dagegen, und kündigte seinen Dienst auf. Die Ursache nam er daher, weil ein allgemeiner Befehl an alle Amtleute gegangen war, diejenigen mit einander, so der Lutherischen Lehre anhängig waren, in Verhaft zu nehmen, und nach dem Hause Bevergern zu schicken. Während dieser Zeit liessen die Domherren den Doctor Wyck bey Nachtzeit den Kopf abschlagen, und auf dem Walle des Hauses Horstmar begraben.

Wie nun sein Vater solchergestalt in Ungnade verfallen, ward er nach Hofe citiret, weil er nicht erschien, schikte der Bischof 100 Reiter und  200 Schüzen hin ihn abzuholen. Als er dieses erfuhr, machte er sich aus dem Staube. Seine Frau und Mutter wurden gefangen fortgeschleppet, aber nach einiger Zeit wieder bereiet, und nach Münster gebracht. Sein Vater hatte sich auch nach Münster begeben, und ein gutes Vermögen mit hinein gezogen, wo er sicher war, weil diese Stadt sich damals wider den Bischof aufgelehnet hatte.

Während dieser Zeit vermehrte sich die schädliche Sekte der Wiedertäufer, seine Eltern, welche den rechten Verstand der wahren und reinen Lehre noch nicht gefasset hatten, riß dieser Irthum mit fort, sie blieben auch während der ganzen Belagerung in der Stadt. Nach der Eroberung und Einnahme der Stadt Münster, und Uebergabe der Wagenburg auf dem Domhofe, woraus sie sich tapfer gewehret hatten, wurde sein Vater mit 24 anderen, durch einen Officier und vielen Soldaten auf Befehl des Obersten Johan von Reasfeld aus der Stadt gebracht. Dieser Oberste schenkte ihm aus alter Bekanntschaft 10 Goldgulden zum Zehrpfenning. Solchergestalt ging sein Vater nach Oldenburg, wohin er seine Frau auch kurz darauf kommen ließ. Anfänglich gab ihm Graf Christoph von Oldenburg den nöthigen Unterhalt; denn sein Vermögen war während der Belagerung von Münster ohn Zweifel verlohren gegangen, bis er sich entschloß endlich zu Neustadt Gödens in Ostfriesland wohnhaft niederzulassen.

Hier bemühete er sich den rechten Verstand, und eine gute Einsicht in die Religion durch den Umgang mit Gelehrten zu erlangen. Er verließ die Sekte der Wiedertäufer, nachdem er von dem berühmten Johann a Lasco Superintendenten in Ostfreisland, und Doctor Albert Hardenberg zur wahren Erkenntniß und Einsicht war gebracht worden, bei welcher er auch beständig verharret.
 Er starb zu Neustadt Gödens, und wurde daselbst auf dem Kirchhof begraben, nachdem er 24 Jahr Baumeister der Kirche, und Vorsteher der Armen daselbst gewesen war. Sein Vater hat Henrich Krefting, und seiner Frauen Vater Herman Oedefeld geheissen. Weilen er aber ein Tuchhändler gewesen, so sei er von seinem Handel Herman Wandschneider genennet worden.

Sein Wapen war querdurch dreifach getheilet, oben eine glebe Lilie im weissen Felde, in der Mitte ein schwartzer Blake, und unten 2 rothe Rosen im weissen Felde.

§. 3.

Da nun Henrich Krefting vorher Gogräfe zu Sandwolden im Münsterschen, der Religion wegen daselbst weichen müssen, wie solches alles aus dem vorhergehenden eigenen Aufsaze seines Sohnes erhellet, und sich nach Gödens im Ostfriesischen begeben hatte, daselbst auch 24 Jahr Baumeister der Kirche und Vorsteher der Armen gewesen; so ist sein Sohn Herman Krefting nach Bremen gekommen, hat daselbst die Handlung gelernet, und ist darauf viele Jahre hier ein wohlhabender und glüklicher Kauf- und Handelsman gewesen. Er hat zwei erwachsene Kinder hinterlassen, nemlich eine Tochter Ilsabe, oder Elisabeth, und den Sohn Henrich nachherigen Burgermeister.
Die Tochter Ilsabe wurde and den Rathsherren Johan Wachman verheiratet, ein Beweis, daß ihr Vater ein bemittelter und in einem guten Ansehen stehender Kaufman gewesen seyn muste. Dieser Johan Wachman war hier geboren. A. 1547 Rathsherr 1603 und starb 1616im 69 Jahres seines Alters. Er ist ein Vater 2 würdiger Söhne gewesen, nemlich Hermann Wachman Burgermeister alhier +1658 und Johannis Wachman, des älteren, Sündicus in Bremen +1659, die sich beide mit des ersten Soh, ebenfals Johan Wachman genannt, der zugleicher Zeit auch Syndicus war, in den unruhigen Zeiten um das gemeine Stadtwesen ungemein verdient gemacht.

§. 4.

Von diesem Geschlechte stammen noch heut zu Tage in den Nachkommen ihrer Töchter, denn die männliche Linie ist ausgestorben, viele Familien ab, nemlich der A.1747 verstorbene Burgermeister Herr Henricus Meier, der Herr Jacobus Meier S. Theol. Doctor und Professor der Morgenländischen Sprachen und ersten Prediger an St. Anscharius, wie auch die vornehmen Post, Schönen, Holler und andere Familien.
In verschiedenen späteren Leichen Programmen hiesiger Geschlechter wird die obige Ilsabe Kreftings, eine Schwester des Bürgermeisters, mit seiner Tochter Ilsabe verwechselt, wovon im Verfolg.

§. 5.

Was nun die Lebensgeschichte des säl. Burgermeisters Kreftings besonders betrift, so ist er im Jahr 1562 den 5. Oct.. hier in Bremen geboren. Seine Jungenjahre muß er am hiesigen Gymnasio, unter Anleitung der damaligen geschikten Lehrer und berühmten Pofessoren, insbesonder des unermüdeten Rectoris Johannis Molani sehr wol angewendet, und sich frühzeitig eine nicht geringe Erkenntniß, so wie in den freien Künsten, als auch vornemlich in der Hauptwissenschaft der Rechtsgelartheit erworben haben. Ein wichtiges Zeugniß leget hiervon ab der so eben erwehnte Moanus in Literis MS. Ad Glandorpium d. d. 17 Mai. 1581.
 (..........) Und zwei Jahre nachher im folgenden Gedichte, welches er wenige Monate vor seinem Ende A. 1583 den 17. Jul. da er den hiesigen Schulen 20 Jahr unter mancherlei Schiksalen rühmlichst vorgestanden hatee, seinem geliebten Sohn Krefting, wie er ihn nennet, zu Ehren verfertigte. (..........)
Diesen Zeugnissen kann man um so viel mehr Glauben beimessen, da er ihm in seinem 19 und lesten Jahre in Betracht seines Herkommens, da sein Vater auch schon verstorben war, zu schmeicheln gar keine Ursache hatte.
Daneben ist dieses Gedicht als seine Weissagung, die hernach eingetroffen, anzusehen, indem es vernünftigen Schulmännern eine so schwehre Sache nicht ist, von erwachsenen, fleißigen, und gutgesitteten Jünglingen, nach ihrem Gemüths Charakter, ihr künftiges Glük zu bestimmen, und im Gegentheil der störrigen, wiederspenstigen und unfleißigen ein schlechtes Prognostikon zu stellen.

§. 6.

Nachdem Herr Krefting seine Zeit hier an dem hiesigen Gymnasio wol angewandt, und einen guten Grund in den Wissenschaften geleget hatte; so nahete nun die Zeit heran, auswertige Universitäten zu besuchen. Er begab sich, nachdem er unterwegens die Universitäten Marburg, Giessen, und viele berühmte Städte, Cassel, Frankfurt ec. und deren Gelehrten besuchet hatte, nach Heidelberg. Hier endigte er seine Academischen Jahre A. 1587 und erlangte durch eine gelehrte Streitschrift, welche Axiomata juris controversi, abhandelt, die höchste Würde in den Rechten.
Der Ruf von seiner Geschicklichkeit blieb dem damaligen Churfürsten von der Pfalz nicht unbekannt, derselbe ernannte ihn bald darauf zu seinem Rath und Professor der Rechten in Heidelberg. Er legte daselbst auch bald Proben seiner Gelehrsamkeit ab. Folgende sind ausser der gemeldten Doctoralschrift mir nur bekannt geworden. (..........)
Wie er aber dieses Amt wenige Jahre verwaltet, so reisete er nach erhaltenem Abschied von dem Churfürsten, durch Deutschland in seine Vaterstadt zurük, um derselben hinführ seine erworbene Gelehrsamkeit zu widmen.

§. 7.

Er vermählte sich bald darauf A. 1591, 12. Aug. mit Frau Gesche Lauen, eine Witwe Brüning Brünings. [Ihr Sohn erste Ehe Henricus Brüningius war J.U.D. und Pandeclarum Professor alhier, und heurathete Dorothea Meiers. Die Glückwünschungs Gedichte sind damals, nemlich 1613, 13.April gedruckt worden. Er war ein gelehrter Mann, wurde 1615, 16.Febr. in den Rath gewehlet, und starb im selbigen Jahr den 29. Jun.]
Sie stammte ab aus einem alten und längst abgestorbenen Patritiat Geschlechte der Lauen. Ihr Vater war Hinrich Laue, die Mutter Ilsabe Münzen, der Grosvater Albert Laue, Rathsherr 1512. +1559. Der Aeltervater Albert Laue, Rathsherr 1481. +1512.

Herr Krefting hat mit seiner Ehegattin nur eine einzige Tochter, Namens Ilsabe gezeuget. Dieselbe verheirathete er im Jahr 1609, da er schon Burgermeister war, mit Henrich Balleer, aus einem damals sehr alten und berühmten Geschlechte der Balleer, welches nun dem Namen nach längst ausgestorben ist. Unser ehemalige berühmte Superintendent, Doctor der Gottesgelahrtheit, und Prediger zu St. Anscharius, Urbanus Pierius, hat auf diese Vermählung ein schönes Lateinisches Gedicht verfertiget, und darinnen von dem Alterthum der Stadt Bremen, von den berühmten, und die Republik sehr verdienten Männern, sowohl damaliger als vorhergehender Zeiten weitläufig gehandelt.
 In diesem Gedichte wird von dem Balleerschen Geschlechte gerühmet, daß sie von Kaiser Carls des Großen Zeit an schon Regenten in dieser Stadt gewesen, und unter den berühmten so genannten Potestaten mit gehöret, daß sie den Königszinß gehoben, und die ansehnlichsten Ehrenstellen bei dem hohen Stifte bekleidet, auch der Bräutigam damals das Potestanten Haus, der Kaiser genannt, nicht weit von St. Martini Kirche, wenn man nach der Schlachte gehet, bewohnet habe.

Allein wie eine grosse Glükseligkeit selten von langer Dauer ist, so ging es auc diesem Paare. Denn eine im Jahr 1611 hier wütende Pest rafte sie beide mit ihrem einzigen Kinde aus dem Lande der Lebendigen weg, und wurden sie alle drei in St. Anscharii Kirche begraben. Solchergestalt haben von ihnen keine Nachkommen ferner entstehen können. Den Fehler, der in verschiedenen Leichen Programmen vorkommt, habe ich kurz vorher bemerkt. Derohalben müssen alle Geschlechter, welche von der Kreftingischen Familie, von der Spielseite herstammen, und noch blühen, ihre Abkunft von des Burgermeisters Schwester Ilsebe, welche an den Rathsherren Johan Wachman vermählet gewesen, ableiten, weil des Burgermeisters Familie mit seiner Tochter, wie so eben gemeldet, ganz ausgestorben ist. In dem Leichen Programmate über Burgermeister Herman Wachman, (des so eben erwähnten Rathsherrn Johan Wachmans Sohn,) 1658, 2. Jun. ist dieses noch recht angegeben, und gesezet worden.

§. 8.

Da nun Herr Henrich Krefting ein gelehrter und in den Wissenschaften des Rechts und des Staats, sehr erfahrner Mann war; so erkannte man seine Verdienste, die er fernerhin der Republik leisten konnte. Er wurde folglich A. 1591 den 4. Dec. zum Rathsherren dieser Kayserl. Freien Reichsstade erwehlet, als er noch nicht daß 30ste Jahr seines Alters erreichet hatte.
Sein Ruhm muß sich von dieser Zeit an sehr ausgebreitet haben, indem ich finde, daß ihn der König von Dälnnemark, zum deutschen Canzler, die Hanseestädte zu ihrem Syndicus, und verschiedene Reichsfürsten zu ihren Rath erwehlet haben. Die eigentlich bestimmten Jahre wie ich nicht anzugeben, wann und zu welcher Zeit die verschiedenen Berufe geschehen. Im Jahr 1603, 14. Mai ward er mit dem Rathsherrn Johan Clamp, Elterman Joh. Wachman, und Johan von Asseln Stadthauptman an die Herren General Staaten nach dem Haag verschiffet. Sie kamen am 19. Jun. mit guter Verrichtung zurük. Doch reisete er auf Bitte des Hanseatischen Bundes A. 1604 nach England, und Frankrei, und führte die ihm aufgetragene Geschäfte mit glüklichem Erfolge aus.
Obige wichtige angetragene Aemter schlug er aber aus Liebe zum Vaterlande aus. Dasselbe belohnete auch in der Folge der Zeit und bald seine guten Dienste, die er bisher bei allerlei Vorfällen gethan hatte. Denn als der Burgermeister Herr Johannes Esich A. 1605, 27. Aug. starb, ward er den 30. Aug. gleich darauf in dessen Stelle zu höchsten Würde eines Burgermeisters wieder erhoben.
(..........)
 

§. 9.

Als nun Herr Krefting solchergestalt den höchsten Gipfel der Ehre und Würde in unsrer Republik bekleidete; so war er ausser seinen Pflichten, die mit seinem wichtigen Amte verknüpfet und gepaaret gingen, in seiner Musse nicht müzlg. Er verfertigte einige Schriften, die ihm jezund noch Ehre machen., und von seiner Einsicht in die Römische Rechte, und die Gerechtsame hiesiger Stadt ein hinlängliches Zeugnis ablegen, von welchen nachher mit mehrtern gehandelt wird.  Es starb grossen Leidwesen des gemeinen Wesen im Jahre 1611 den 1sten Aug. im 49sten Jahre seines Alters., der eines längeren Lebens würdige, Hochgelahrte, und um die Stadt Bremen Hochverdiente Burgermeister Henrich Krefting, ohne seinen Namen auf seine Nachkommen fortzupflanzen, obgleich sein Nachruhm fortdauern wird. In seinem Testament hat er außer andern Vermächtnissen auch ein Stipendium für arme Studirende gemacht, und dazu 400 Thaler verordnet.